Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964963
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Deutsche 
Gothik. 
Niedrige Seitenschilfe mit Wirklichen Oberlichtern sind noch 
seltener. An der schönen Cistercienserkirche zu Pelplin mögen 
sie mit einem Einfluss von Doberan zusammenhängen, indem 
sich auch die dort beschriebene eigenthümliche Behandlung des 
Kreuzschiffes hier wiederholt, und bei kleineren Stadtkirchen, 
wie z. B. bei der zu Wormdittg) kommen sie einige Male vor. 
Aber im Uebrigen macht sich auch bei diesen Kirchen, selbst bei 
der von Pelplin, die Landessitte geltend; die Pfeiler sind einfach 
und aehteckig, die Gewölbe stern- und fächerförmig, der Chor 
endlich schliesst rechtwinkelig und zwar nicht wie in anderen 
Cistereienserkirchen mit Herumführung der Seitenschiife und Ka- 
pellen, sondern mit gleicher, alle drei Schiffe abschneidender 
Wand, an welcher dann wieder der Giebel den gewohnten rei- 
chen Schmuck erhalten hat. 
Häufiger sind solche Kirchen, welche ohne Oberlichter bei 
hallenartiger Anlage doch noch ein etwas höheres Mittelschiff 
haben 15g]. Dahin gehört eine der bedeutendsten älteren Kirchen 
Preussens, der Dom zu Königsberg 36W). Seine Erbauung 
ging von dem Bischofe aus, und es ist charakteristisch, dass der 
Hochmeister dem begonnenen Fundamentalbau zuerst Wider- 
sprach. weil er davon eine dem Interesse des Ordens nachtheilige 
Befestigung befürchtete, und dann bei Ertheilung seiner Einwil- 
ligung nicht blos Vorschriften über die nicht zu überschreitende 
Höhe der Mauern gab, sondern auch bestimmte, dass die 'l'hürme 
a] Vergl. v. Quast, Denkmale der Baukunst in Preussen, Taf. XI und XII_ 
Die Kirche nebst den niedrigen Seitenschiifen scheint noch aus der ersten 
Hälfte des vierzehnten zu stammen, die derselben angefügten Kapellen sind 
aber erst vom Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts und haben manche Eigen- 
thiimlichkeiten, einen Schmuck mit Fliesen von Formsteinen, der, obgleich 
roher und weniger geschmackvoll, an märkische Decoration erinnert, und eine 
Dachanlage, die schwerlich irgendwo wieclerkehrt. Um nämlich die Oberlichter 
frei zu lassen, sind die die Kapellen und den anstossenden Theil der Seiten- 
schiffe deckenden quergelegten Dächer über die Zwischenräume der Gewölbe 
gespannt, so dass sie von dem Scheitel derselben aufsteigen. 
H) Dass auch die Marienkirche zu Danzig in ihrem ersten Bau (1343  
1359) niedrige Seitenschiffe hatte, wird weiter unten erwähnt. 
 Vergl. die gründliche Monographie: Gebser und Hagen (von jenem 
der rein historische und kirchliche, von diesem der kunstgeschichtliche Theil], 
der Dom zu Königsberg, K. 1835, 2 Bände mit Atlas.
        

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