Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964935
PTBllSSßll. 
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nehmen, ist daher höchst einfach und schmucklos, indem es nur 
durch die schlanken von senkrechten Pfosten getheilterl Feinster, 
die schwachen, oft in das Innere verlegten Strebepfeiler, und 
allenfalls durch spitzbogige Nischen in der Wand und an den 
Pfeilern belebt wird. Nur die Giebel in Osten und Westen er- 
halten hier wie in den anderen Backsteinländern etwas reicheren 
Schmuck durch mehr oder Weniger kräftig profilirte, senkrechte 
Wandpfeiler, welche sich von dem mit weissen Bewurf bedeck- 
ten Grunde durch die dunkle Farbe des Steines abzeichnen und 
oben als Fialen herüberragen. Ausserdem kommen wohl Zinnen 
oder Friese von durchbrochenen glasirten oder von sonst verzier- 
ten Formsteineil vor, auch erhält die Mauer oft durch spiralför- 
mig oder mit anderer Zeichnung eingelegte farbig glasirte Ziegel 
einen leichten Schmuck, niemals aber so reiche Decoration dieser 
Art wie im Brandenburgischen. Die Profile und das Maasswerk 
der Fenster sind sehr einfach, die Portale niedrig und mit weni- 
gen Ausnahmen sehr bescheiden verziert. Schöner und bedeut- 
samer ist das Innere. Wie es scheint hatten die Baumeister 
sich bei den Schlossbauten an rundbogige und selbst an Tonnen- 
gewölbe so sehr gewöhnt, dass sie sie auch an Kirchen anzu- 
wenden versuchten; wenigstens hat die Kirche zu Juditten bei 
Königsberg, anscheinend eine der ältesten in Preussen und noch 
aus dem dreizehnten Jahrhundert, ein 'l'onnengewölbe, in das nur 
über den Fenstern spitze Einschnitte eingreifen Aber auch 
wo man Kreuzgewölbe anwendete, wurden sie meist flach ge- 
halten, also freilich ohne die oft unschöne Ueberhöhung, aber 
auch ohne den kühnen Schwung wie in anderen Gegenden. Dafür 
erhielten sie dann aber sehr frühe durch Vermehrung der Rippen 
eine Verstärkung und Zierde, die so allgemein beliebt wurde, 
dass in ganz Preussen vielleicht keine bedeutende Kirche mit 
einfachem Kreuzgewölbe vorkommt, Wohl aber die Netz- und 
Fächerwölbungen so vervollkommnet und mit solcher Meister- 
schaft angewendet sind, wie ausser England in keinem LandeW-i]. 
m) Hagen a. a. O. S. 18. 
H") Ueber die preussische Wölbungsweise giebt Auskunft das auch sonst 
kunsthistorisch merkwürdige Werk des Maurermeisters Bartel Ranisch, Grund- 
risse und Auszüge aller Kirchengebäude in der Stadt Danzig, 1695, welches 
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