Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964921
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Deutsche 
Gothik. 
seine Schule; denn in der ersten Zeit nach der Eroberung konn- 
ten die Kirchen nicht füglich im offenen Lande errichtet werden. 
Sie bildeten also einen Theil der Schlösser und zwar in anderem 
Sinne wie Aehnliehes bisher vorgekommen war, nicht als kleine 
Kapellen für den Schlossherrn und seine Dienerschaft, sondern 
als Räume, in welchen die umwohnende Bevölkerung Platz fand, 
die aber doch nicht, wie die Kirchen der Klöster, als der überwie- 
gend wichtige Theil der Anlage über die VVohngebäude empor- 
ragen durften. Die Kirche musste vielmehr ebenfalls wehrhaft 
eingerichtet sein und den kriegerischen Charakter des Schlosses 
theilen; die Zinnen, welche noch jetzt das Dach mancher preussi- 
sehen Kirche umgeben, waren nicht eine müssige Zierde, sondern 
bildeten einen Wirklichen Wehrgang, von dem man im Nothfalle 
die Angreifer beschiessen konnte k). 
Der Styl dieser Schlosskirchen ging natürlich auch auf die 
anderen Kirchen über, welche unabhängig von Schlossanlagen 
in Städten und Dörfern gebaut wurden, da sie erst entstanden, 
nachdem sich bei jenen feste Principien und Gewohnheiten ge- 
bildet hatten. Der Charakter des norddeutschen Ziegelbaues 
wurde hiedurch in den preussischen Kirchen modilicirt und ge- 
wissermassen gesteigert, indem zn den Beschränkungen, Welche 
das Material bedingte, noch die kamen, welche die Anwendung 
des gothischen Styls auf Weltliche Bauten und endlich die, welche 
der strenge, kriegerische und klösterliche Geist des Ordens her- 
beiführte. 
Die Kirchen sind fast durchweg, wenn nicht einschifiig, 
Hallenkirchen; diese schlichte, aber grossartige Form machte es 
möglich, ihnen dieselbe Höhe mit den Flügeln des Schlosses, mit 
denen sie den inneren Hof begränzten, zu geben. Ein Kreuz- 
schiff liess sich damit nicht wohl vereinigen und der Chor musste, 
um der Verbindung mit den Schlossfiügeln zu entsprechen, recht- 
winkelig schliessen. Der Grundriss bildet daher überhaupt ein 
Rechteck, das nur durch die Pfeiler in drei Schiffe getheilt ist. 
Das Aeussere dieser Kirchen, auch derjenigen, welche frei- 
stehend errichtet sind und eine gewisse Bedeutung in Anspruch 
Vergl. Hagen, der Dom zu Königsberg, S.
        

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