Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964911
Preussen. 
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erschwerten, feste gewölbte Hallen, das waren die Aufgaben, 
mit denen sie sich beschäftigten. Jenes Strebesystem des gothi- 
schen Baues, die feinere Ausbildung des Aeussern durch Fialen, 
Strebebögen, reiche Portale war eben so sehr durch den Zweck 
dieser Bauten, als durch die Beschaffenheit des Materials ausge- 
schlossen. Dagegen gab das Innere allerdings feinere Aufgaben, 
denn die Ritter, obgleich anfangs in fast mönchischer Strenge 
lebend, fühlten sich doch als die Herren des Landes und konnten 
daher auch den architektonischen Ausdruck dieser Herrschaft 
nicht zurückweisen. Schon die blos zweckmässige und nützliche 
Anlage gewährte eine Zierde. Gewöhnlich bildeten die Schlösser 
ein Quadrat von hohen Gebäuden, in dessen Mitte sich der Hof 
mit offenen Kreuzgängen für alle Stockwerke belhnd, von Wel- 
chen die 'l'hüren zu den verschiedenen Gemächern und zur Ka- 
pelle führten. Diese und die Wohnzimmer des Befehlenden erfor- 
derten, die Stützen des Kreuzganges gestatteten feinere Details 
und höheren Schmuck, der natürlich dem gothischen Style als 
dem herrschenden entlehnt wurde; aber doch nicht ohne mannig- 
fache Modilicationen. Die meisten Räume wurden überwölbt, 
schon der Dauerhaftigkeit wegen, allein keinesweges immer im 
Spitzbogeil; die Abtheiluilg in Stockwerke machte vielmehr den 
Rundbogeil oder elliptische Biegungen rathsam, in denen die 
Meister dann grosse Fertigkeit erwarben. Hiedurch war schon 
eine Verwandtschaft mit romanischen Formen gegeben, welche 
dann auch auf die anderen Theile, namentlich auf die Fenster 
überging, die bald rund, bald sogar viereckig gedeckt wurden. 
Das gemeinsame Leben der Ritter in den Ordenshäusern machte 
ferner die Anlage grösserer Säle, zu Conventsrexntern und Refec- 
torien, nöthig, bei denen ein einziges Gewölbe nicht ausreichte 
und die einer oder mehrerer Stützen bedurften. Die Pfeilerform 
des gothischen Styls war dazu weniger geeignet, man gewöhnte 
sich, ganze Stücke von Granit oder Sandstein, die aus Schweden 
herbeigeführt oder auf den Feldern gefunden wurden, als mono- 
lithe achteckige oder runde Säulen dazu zu verwenden, und erhielt 
auch dadurch Motive, die mehr dem romanischen Style, als dem 
gothjscheil entsprachen. 
An diesen Schlossbautexi machte aber auch der Kirchenbau
        

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