Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964880
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Deutsche 
Gothik. 
grossen durch kleinere Arcaden belebten Wandnische liegen. 
Bedeutender sind dann die Hallenkirchen dieser Gegend, unter 
denen sich die Marienkirche zu Pasewalk durch edle Verhält- 
nisse, die zu Colber g (mater gloriosa genannt) durch ihre Grösse 
auszeichnet, indem sie gegen Ende des vierzehnten Jahrhun- 
derts durch Hinzufügung zweier äusserer Seitenschilfe fünf- 
schiflige etwas schwerfällige Gestalt angenommen hat. Der 
Chorschluss dieser Hallenkirchen ist gewöhnlich polygonförmig 
und einfach, ein Umgang wie an der Petrikirche zu Treptow an 
der 'l'0llense, ist selten, ebenso der rechtwinkelige Schluss wie 
an der Kirche zu Greifenberg. An der Bartholomäuskirche zu 
Dermnin und an der Nicolaikirche zu Anclam sind auch die Sei- 
tenschiffe polygonisch geschlossen, an der letzten sogar mit dia- 
gonaler Stellung. Der erweiterte Chor mit sieben Seiten des 
Zehnecks findet sich nur an der bereits erwähnten Johanniskirche 
zu Stettin. 
Die Marienkirche zu Stargard nannte ich schon als 
einen märkischen und nach märkischer Weise mit Mustern gla- 
sirter Ziegel geschmückten Baut). Indessen gehörte das Länd- 
chen, obgleich politisch mit der Mark verbunden, in kirchlicher 
Beziehung zum Bisthum Cammin und lag doch zu sehr in der 
Mitte von Pommern (dem es auch jetzt zugezählt wird), um nicht 
von dorther Einflüsse zu empfangen. Diesem Umstande mag man 
es zuschreiben, dass die Marienkirche, die früher, wie man im 
Langhause deutlich erkennt, eine Hallenkirche war, im Anfange 
des fünfzehnten Jahrhunderts die ungewöhnliche Abänderung 
erhielt, dass man die Seitenschiife bestehen liess, das Mittelschiff 
aber erhöhete und nun einen grossen Chor von gleich bedeutender 
Höhe anlegte, lnn welchen die niedrigen Seitenschilfe einen Um- 
gang bilden. Völlig eigenthümlich ist hier die Ausschmückung 
der schlanken achteckigen Pfeiler, indem sie statt des Kapitälg 
unter dem schwach gebildeten Kämpfergesimse Nischen haben, 
die nur zur Aufnahme von Heiligenbiltlern bestimmt sein konnten, 
mithin eine Anordnung ganz ähnlich der sonst nirgends vorkom- 
menden des Mailänder Domes, die also hier, wo man gewiss ohne 
 ' "Ü Kallenbach Taf. 65. Eine Probe des Farbenwechsels bei Essenwein 
Taf. 36.
        

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