Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964875
Pommern. 
347 
schiffe geschieden werden, mit demselben Streben nach schlanker 
Höhe, mit den schmucklosen Strebebögen im Aeussern und sogar 
mit dem Laufgange vor den Oberlichtern; nur darin abweichend, 
dass die Pfeiler nicht vier-, sondern achteckig sind und dass auf 
der Westseite (wie in der Marienkirche zu Lübeck) zwei Thürme 
eine innere Vorhalle bilden. Diese vollständige Nachahmung des 
mecklenburgischen Typus wiederholte sich zwar nicht, indessen 
übte derselbe doch den Einfluss, dass von nun an alle grösseren 
Kirchen dieser Gegend mit niedrigeren Seitenschiffan und mit 
möglicher Steigerung der Höhe und Schlankheit errichtet wurden, 
und zum Theil einen Umgang, zwar ohne eigentlichen Kapellen- 
kranz, aber mit kapellenartigen Vertiefungen zwischen diesen 
Strebepfeilern erhielten. So findet es sich an der Petrikirehe 
zu Wolgast und an der Marienkirche zu Stralsundg), 
welche von kolossalen Verhältnissen mit ausgebildetem Kreuz- 
schiffe, westlichem Vorbau und mächtigem Thurme die bedeu- 
tendste Erscheinung der alten kirchenreichen Stadt ist. Die Ein- 
ziehung der Strebepfeiler hatte indessen die Folge, dass das Dach 
der Seitenschiffe sehr hoch hinaufstieg und die Ober-lichter be- 
schränkte und dass der Chorumgang sehr breit und schwerfällig 
wurde. Daher gab man denn zwei anderen bedeutenden Kirchen 
dieser Gegend, der durch ihre schönen Verhältnisse ausgezeich- 
neten Nicolaikirche zu Greifswald und der Jacobikirche 
zu Stralsund rechtwinkeligen Chorsehluss, dieser für alle drei 
Schiffe, jener nur auf dem Mittelschiffe mit diagonalen Schluss- 
mauern der Seitenschiße. 
Im östlichen Pommern ist, wie gesagt, die Hallenform häufi- 
ger, jedoch haben eine Reihe von Kirchen, sämmtlich Marienkir- 
chen, zu Belgard, Cöslin, Rügenwalile, Schlawe und Stolpe 
niedrige Seitenschilfe, aber den dreitheiligeil Chorschluss ohne 
Umgang. Gemeinsam ist ihnen, dass die Oberlichter klein ge- 
halten sind, aber in einer bald über den Scheidbögen beginnenden 
Ü Kugler, a.. a. O. S. 744 ü, rechnet diese Kirche erst dem fünfzehnten 
Jahrhundert zu; allein die von ihm angegebenen Notizen von Chronisten des 
sechszehnten Jahrhunderts ergeben, dass ein Einsturz imJahre 1382 oder 1384 
einen Neubau des Thurmes, aber nur eine Herstellung des Chores, bei {V61- 
cher die Pfeiler mit eisernen Bändern umgeben wurden, zur Folge hatte.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.