Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964869
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Deutsche 
Gothik. 
bedeckt. Wollte man hier die Aufrichtung einer Giebelmauer 
vermeiden, so war die Bedachung an jenen eingehenden Winkeln 
überaus Schwierig, während bei der Ueberspannung derselben 
mit einer flachen Wölbung und dem darauf liegenden Dache die 
Aufgabe ziemlich leicht und mit geringeren Kosten gelöst 
wurdet). Die Bürgerhäuser, welche in ihrer eigenthümlichen 
Bauweise und der reichen Verzierung mit in Thon gebranntem 
Bildwerk und Reliefs der Stadt Lüneburg einen hohen Reiz ver- 
leihen, gehören nicht mehr dieser, sondern der folgenden 
Epoche an. 
Auch für Pommern die?) war das vierzehnte Jahrhundert eine 
Zeit der Blüthe und architektonischen Regsamkeit, die sich 
jedoch mehr durch die Zahl der Bauten und durch die Mannig_ 
faltigkeit der Formen, als durch Erzeugung selbstständiger Typen 
äussert. Hallenkirchen und Kirchen mit niedrigen Seitenschiifen 
kommen gemischt vor, doch so, dass jene Form in dem östlichen 
an Preussen anstossenden, diese in dem westlichen an Mecklen- 
burg angränzenden Theile vorherrscht. In diesem können wir 
denn auch in der That den Einfluss jener eben beschriebenen 
Mecklenburgischen Schule sehr genau verfolgen. Während näm- 
lich im vorigen Jahrhundert auch hier Hallenkirchen gebaut 
waren, namentlich in Stralsund die Klosterkirche St. Katharina, 
in Greifswald die Jacobikirche und die Marienkirche, erhebt sich 
in der ersten Irlälfte des vierzehnten Jahrhunderts (eigentlich seit 
1311) in Stralsund wiederum eine Nicolaikirche ganz nach 
dem Plane jener mecklenburgischen Bauten mit dem Kranze von 
fünf Kapellen in der früher geschilderten Weise, mit niedrigen 
SeitenschiHen, die auch hier durch je zehn Pfeiler vom Mittel- 
4'] Das Vorkommen dieser Dachbehandlung verdient als ein charakteristi- 
scher Zug von Formlosigkeit nähere Beachtung, namentlich wird zu ermitteln 
sein, 0b sie sich auch in den Niederlanden an den Kathedralen von Utrecht, 
Tournay u. s. w. findet. Einer gütigen Mittheilung des Herrn Bauraths Haase 
in Hannover verdanke ich die Kenntniss eines Falles, wo sie auch an einem 
{freilich bei grossartiger Anlage nicht vollendeten) Quaderbau vorkommt. 
Es ist dies die St. Andreaskirche zu Hildesheim, ein Bau des fünfzehnten Jahr- 
hunderts, mit vollständigem Kapellenkranze. 
 Genügende Quelle ist Kuglefs Pommersche Kunstgeschichte in den 
kl. Sehr. I, 707 ff., mit einigen leichten Abbildungen.
        

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