Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964851
Lüneburg. 
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Unter den Bauten des Herzogthums und der Stadt Lüne- 
burg nimmt die oben erwähnte, im Jahre 1409 geweihete Ni- 
kolaikirche einen hervorragenden Rang ein, sowohl durch ihr 
schlankes, 100 Fuss hohes und weit über die Abseiten hinauf- 
steigendes Mittelschiff, als durch den Kapellenkranz, der hier 
zwar ein reicheres Gewölbe wie in den mecklenburgischen Kirchen 
dieser Art, aber dieselbe rohe Bedachung hat. Ein Kreuzschitf 
fehlt und überhaupt ist die jetzige nur aus vier Jochen und dem 
Chorhaupte bestehende Kirche wohl nur der wie so häufig pro- 
visorisch abgeschlossene Anfang eines kolossalen Planes, zu dem 
die Mittel nachher ausblieben V). Auch in der Breite ist die An- 
lage sehr bedeutend; neben dem eigentlichen Seitenschiffe liegt 
nämlich nicht blos wie sonst eine Reihe kleiner Kapellen, sondern 
vermöge der Durchbrechung der Strebepfeiler ein zweites freilich 
sehr schmales Seitenschili", das von sehr niedrigen Gewölben ge- 
deckt ist und auf denselben eine ziemlich geräumige, in der Höhe 
der Seitenschiffe überwölbte Empore trägt. Die Details sind im 
Ganzen roh, so namentlich die Bildung der achteckigen Pfeiler 
und die Profile der Bögen und Fenster, dagegen hat der Lauf- 
gang unter den Oberlichtern eine reiche, in dem hier einheimischen 
Gypskalke geformte Maasswerkbalustrade. Die anderen Kirchen 
Lüneburgs sind sämmtlich Ilallenkirchen von bedeutendem Flä- 
cheninhalte, aber schwerliilliger Form, doch mit einigen localen 
Eigenthümlichkeitenii-ii). Namentlich interessirt uns, dass bei 
zweien dieser Kirchen, bei der fünfschifiigen Johannes- und der 
dreischifiigen Lambertuskirche, ungeachtet der verschiedenen Ver- 
hältnisse jene eigenthümlich rohe Bedachung des Chores vor- 
kommt, wie an der N icolaikirche, und gewissermassen mit grösse- 
rer Berechtigung. Beide Kirchen sind nämlich in Hallenform und 
haben im Langhause ein hohes Dach, welches bei St. Lambertus 
alle drei, bei St. Johannes die drei mittleren Schiffe gemeinsam 
"Ü Schon bei diesem Fragmente des vollständigen Planes sind nur die 
östlichen Theile sorgfältig fundamentirt, die westlichen in jeder Beziehung 
höchst nachlässig behandelt. 
w) In mehreren dieser Kirchen kommen auf jedes Joch zwei Fenster, wie 
wir dies in Breslau fanden, jedoch nicht mit der Gewölbanlage wie dort, son- 
dern mit einfachem Kreuzgewölbe, dessen äussere Kappe nur durch eine fünfte, 
zwischen den Fenstern aufsteigende Rippe getheilt wird.
        

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