Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964816
Mecklenburg. 
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sie sich von den anderen Kirchen des norddeutschen Ziegelbaues 
unterscheiden und als Arbeiten einer besonderen Schule kenn- 
zeichnen t). Sie haben sämmtlich Mittelschitfe von gesteigerter 
Höhe und ungewöhnlich schlanken Verhältnissen, niedrige Sei- 
tenschiffe, wohlgebildete Pfeiler eckigen Kernes mit angelegten 
Diensten und Blattkapitälen. Gewöhnlich ist selbst die Zahl der 
Pfeiler gleich, nämlich zehn auf jeder Seite, ausser den zwei letzten 
des Polygonsehlusses, der immer die Gestalt von fünf Seiten 
des Achteckes annimmt und fünf Kapellen des Kranzes entspricht, 
von denen jedoch zuweilen nur drei ausgeführt und die beiden 
äussersten unterdrückt sind. Die meisten dieser Kirchen haben 
(auch darin von dem jetzigen Gebrauche der norddeutschen 
Städte abweichend) äusserlich heraustretende, aber doch auch 
wieder eigenthümlich verküinmerte Kreuzarme, meistens nie- 
driger als das Mittelschiff und besonders dadurch für das Innere 
unwirksam gemacht, dass die Pfeilerreihe ununterbrochen in 
gleichen Abständen über das Kreuzschitf fortgeführt ist, dessen 
Arme dann durch Mittelsäulen in kleinere, den Abseiten entspre- 
chende Gewölbfelder getheilt sind. Auf der Westseite ist ge- 
wöhnlich ein hoher Vorbau, in Lübeck mit zwei 'l'hürlnen, sonst 
nur mit einem Mittelthurme, neben welchem dann Räume von der 
Höhe des hlittelschiffes einen stattlichen Querarm bilden. An 
gewissen Stellen findet sich ungewöhnlicher Schmuck, nament- 
lich wiederholt sich mehrere Male, dass unter den Oberlichtern 
ein Laufgang mit einer Maasswerkbalustrade angebracht ist; 
aber die Fenster haben statt des Maasswerks nur oben sich an- 
lehnende Pfosten und zuweilen sogar statt des äusseren Spitz- 
bogens nur zwei geradlinige Schenkel eines stumpfen Winkels. 
Auch das Strebewerk ist plump und schmucklos, besonders auf- 
fallend aber die rohe Behandlung gerade des Theiles, der auf 
architektonische Pracht berechnet scheint, des Kapellenkranzes. 
Um nämlich die Mühe und Kosten einer den eingehenden Win- 
keln der aneinanderstossenden Polygone entsprechenden Beda- 
"Q Vergl. Lübke (welcher das Verdiensf hat, zuerst auf diese eigenthüm- 
Iiche Schule aufmerksam gemacht zu haben) im D. Kunstbl. 1852, S. 297 H, 
und im Organ für christl. Kunst 1853, Nro. 5, wo er eine Aussenansicht der 
Kirche zu Doberan giebt.
        

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