Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964762
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Deutsche 
Gothik. 
eingestürzt, die Kirche aber im Wesentlichen erhalten. Sie ist 
wie St. Godehard ein dreischiffiger Hallenbau mit gleich hohem 
Umgang, jedoch mit der in späteren märkischen Kirchen nicht 
selten wiederholten Einrichtung, dass die Strebepfeiler in das 
Innere gezogen und unter den Fenstern durch Flachbögen ver- 
bunden sind, welche kapellenartige Räume und den Boden eines 
durch die dnrchbrochenen Pfeiler führenden Umganges bilden  
Die Wirkung des Inneren ist auch hier nicht unwürdig, aber die 
aehteckigen, mit dünnen Diensten umstellten Pfeiler und die 
Rippenprofile des Sterngewölbes sind kraftlos und nüchtern, die 
Fensterpfosten auch hier statt durch geometrisches Maasswerk 
blos durch Spitzbögen verbunden, und nach den edeln mit Laub- 
werk verzierten Kapitälen von St. Godehard sehen.wir uns ver- 
gebens um. Dagegen entfaltet das Aeussere eine bisher unbe- 
kannte Pracht. Die Strebegfeiler, welche, da sie in das Innere 
gezogen sind, nur wie flache Pilaster vertreten, sind nämlich 
durchweg mit wechselnden Lagen von schwarzgrün glasirten 
und hellroth gefärbten Ziegeln belegt, in ihren drei Absätzen 
mit doppelten Nischen für Statuen versehen und mit freistehenden 
Spitzgiebeln und Rosetten geschmückt, an welche sich oben 
unter dem Dache ein reicher aus durchbrochenem Maassxrverk 
gebildeter Fries anschlicsst. Die Statuen, deren in den 148 Ni- 
sehen jetzt nur 18 stehen, von drei Vierteln der natürlichen 
Grösse, sind ebenfalls in Thon gebrannt und nicht von grosser 
Schönheit, indessen ist dennoch der ganze Schmuck überaus 
reich und gefällig. Im höchsten Maasse gilt dies von den An- 
begünstigten Kapelle der Hauptbau provisorisch geschlossen und diese relative 
Beendigung durch das Wort constructa est bezeichnet sei.  Dass übrigens 
dieser Heinrich Brunsbergh auch in Prenzlow und Danzig gearbeitet (Otto S, 
171), oder dass er gar, wie Kreuser a. a. O. S. 396 angiebt, in Diensten 
KarPs IV. gestanden und. die Kirche auf dem Oibin gebaut habe, ist unerwiesen 
und stimmt das Letzte mit der Jahreszahl 1401 wenig überein. Zu bemerken 
ist dagegen die Verbindung mit Stettin, indem, wie schon erwähnt, etwas Späte); 
Meister Nicolaus Graft aus derselben Stadt hier arbeitet. 
1') Aehulich wie in der Kathedrale von Alby (oben S. 127), jedoch mit 
dem Unterschiede, dass in unserer nordischen Kirche die Kapellen viel nie- 
driger und die Strebepfeiler oben nicht völlig, sondern nur mit zwei mässigen 
Oeffnungen durchbrochen sind und also eine kräftigere Verankerung bilden.
        

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