Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964748
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Deiltsche 
Gothik. 
dem aber nur die strengen und gut profilirten Dienste und Con- 
solen, nicht die Gewölbe selbst erhalten sind, da irgend ein F eh- 
ler schon im Jahre 1377 eine lange dauernde Herstellung nöthig 
machte, aus welcher die jetzigen, hochbusigen und mit grosser 
Geschicklichkeit ausgeführten Gewölbe und die Anfänge eines 
unvollendet gebliebenen westlichen Vorbaues stammen. Es ist 
interessant, die verschiedene Verfahrungsweise dieser drei Bau- 
zeiten zu vergleichen. In jenem romanischen Bau sind die ])eck- 
platten noch von Sandstein, die Würfelkapitäle der Krypta aus 
grossen Backsteinblöcken gemeisselt, in dem Bau vom Ende des 
dreizehnten Jahrhunderts sind schon feinere F ormsteine von 
edler, strenger Bildung, aber noch mit grosser Sparsamkeit, in 
dem des vierzehnten sind sie dagegen sehr reichlich und mit si- 
cherer Technik verwendet und geben reiche, aber freilich durch 
die Wiederkehr derselben Formen monotone Profilirungen. 
Inzwischen wurde auch an den anderen Kirchen der Stadt 
gebaut. Die Kirche der Dominicaner, eine Hallenkirche, erhielt 
nach 1311 einen geräumigen, einschifiigeir, mit drei Seiten des 
Achtecks schliessenden, die einschiftige Kirche der Franciscaner 
aber am Ende des vierzehnten Jahrhunderts einen eleganten Chor 
von einer seltenen, aber in der gleichnamigen Klosterkirche zu 
Stettin c't) und in der demselben Orden angehörigen Kirche zu 
Berlin vorkommenden Gestalt, nämlich aus sieben Seiten des 
Zehnecks, also gegen das Schiff sich erweiternd. Ein anderer 
Chorbau, der von St. Paul, hat den Vorzug, dass in seinen Feu- 
stern edelgebildetes geometrisches Maasswerk von Formsteinen 
erhalten ist, während der Meister des Johannischores sich schon 
mit der blossen Zusammenfügung der Pfosten in Spitzbögen be- 
gnügt hat, die man in den späteren märkischen Kirchen gewöhn- 
lich findet. 
Wichtiger war die Erneuerung der beiden Pfarrkirchen. Die 
der Altstadt, St. Godeharil, welche aus ihrer ersten, noch in 
das zwölfte Jahrhundert fallenden Bauzeit nur den westlichen, 
ganz aus behauenen, kleinen Grauitsteinen errichteten Vorbau 
W) Bei dem unten noch zu erwähnenden Mühlthore nennt eine Inschrift 
vom Jahre 1411 den Baumeister Nicolaus Craft von Stettin, und Adler glaubt; 
an den Details der Johanniskirche denselben Meister wieder zu erkennen.
        

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