Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964727
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Deutsche 
Gothik. 
Hallenkirchen, dann in der Kirche Corpus Christi und endlich in 
St. Maria Magdalena, hier jedoch nur in dem aus zwei Jochen 
bestehenden, rechtwinkelig geschlossenen Chore. Die Paarung 
der Seitenfenster gewährt den Vorzug einer sehr starken Be- 
ieuchtung neben der Beibehaltung der schlanken Fensterform und 
ist in den Hallenkirchen sehr glücklich benutzt, um die Fenster 
weniger tief herunter zu führen, so dass sie auf halber Höhe der 
Mauer endigend, ein sehr wohlthätiges, von oben her kommen- 
des Licht geben. Wahrscheinlich ist die Erfindung daher auch 
bei einer Hallenkirche und zwar muthmasslich bei der auf dem 
Sande gemacht, welche überhaupt das edelste Bauwerk Breslaus 
ist und durch ihre schönen schlanken Verhältnisse und die sehr 
gelungene Wirkung der drei nebeneinander gestellten Polygonni- 
sehen sich als das Werk eines ausgezeichneten Künstlers erweist. 
Sie wurde 1330 begonnen und 1369 geweihet und scheint daher 
die früheste dieser Kirchen, da die Dorotheenkirche erst 1351 ge- 
stiftet wurde und die anderen, besonders auch die Kreuzkirche, 
durch ihre Formen frühestens auf die Mitte des vierzehnten Jahr- 
hunderts hinweisen. Eine andere Eigenthümlichkeit dieser Bres- 
lauer Schule ist, dass die Pfeiler meistens (nur in der Elisabeth- 
kirche nicht) im Sinne der Längenachse länglich gestaltet und 
mit Rundstäben nur unter den Scheidbögetl ohne Kapitäle ver- 
sehen sind, während die Gewölbgurten von Consolen ausgehen. 
Die Details sind überhaupt bis zur Rohheit einfach, und kaum die 
Sandkirche macht davon eine Ausnahme. In den Verhältnissen 
übertrifft St. Elisabeth die anderen Kirchen; ihr Mittelschiff steigt 
bis auf 100 Fuss und erscheint um so grossartiger, weil die Sei- 
tenschitfe unverhältnissmässig klein sind, nur zwei Fünftel jener 
Höhe haben. Aber dennoch sind hier und in St. Maria Magda- 
lena die Oberlichter sehr klein, so dass die grosse völlig unbe- 
lebte Wand über den Srheidbögen sehr kahl erscheint. Von dem 
gewaltigen, aber eingestürzten Thurme der Elisabethkirche habe 
ich schon früher gesprochen und erwähne hier nur noch zum 
Schlusse des Rathhauses, welches im Jahre 1344 begonnen, 
wenn auch langsam gebaut und vielfach verändert, noch immer 
mit seinem dreifachen Giebel und seinen Erkerbauten einen im- 
posaxxterl Eindrurk macht.
        

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