Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964712
Schlesien. 
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dann die Kirche des ehemaligen Jakobsklosters (jetzt St. Vincenz) 
und endlich die Kirche Corpus Christi. 
Ein bedeutender Einfluss der böhmischen Schule lässt sich 
nicht nachweisen, wohl aber haben diese Kirchen, ungeachtet der 
erwähnten Verschiedenheit, viele gemeinsame und zum Theil 
eigenthümliche Züge, so dass man sie als Werke einer beson- 
dem Localschule betrachten kann. Ihre Plananlage schliesst sich 
dem Gebrauche der nördlichen und östlichen deutschen Provinzen 
an; sie entbehren (mit Ausnahme der Kreuzkirche, wo der ältere 
Unterbau maassgebend war) des Kreuzschiffes und schliessen in 
Osten theils mit drei Polygonnischen, wie die Sandkirche und St. 
Elisabeth , theils mit einer, wie St. Dorothea, theils sogar recht- 
winkelig, wie St. Maria Magdalena. Ungewöhnlich und von sehr 
günstiger VVirkung ist aber die innere Eintheilung. Die Pfeiler- 
abstände sind nämlich sehr weit, so dass sie im Mittelschilfe un- 
gefähr quadrate, von einfachen Sterngewölben bedeckte Felder 
bilden, und dass ihnen in den SeitenschiHen je zwei Fenster ent- 
sprechen und die Lleberwölbung der hier entstehenden länglichen 
Felder so bewirkt ist, dass zwischen den beiden Fenstern von einer 
Console aufsteigende und zu den Pfeilern hinübergeführte Rippen sie 
in drei dreieckige, jedes ans drei Kappen bestehende Gewölbfelder 
theilen. Diese ungewöhnliche, in anderen Gegenden wohl auch, 
aber doch nur sehr vereinzelt vorkommende Ueberwölbungsartß) 
findet sich hier in fünf Kirchen, nämlich in den drei genannten 
Ü Der Grundrisszeichnung nach bildet sie einen halben Stern, doch so, 
dass der Punkt, von welchem die Radien strahlenförmig ausgehen, nicht wie 
im wirklichen Sterngewölbe der Schlussstein, sondern der Anfang des Gewölbes 
ist. Dieselbe Ueberwölbung kommt in den Kreuzgängen des Schlosses zu 
Heilsberg (v. Quast, Denkmale der Baukunst in Prenssen, Heft 1], und zwar 
ganz ohne nöthigende Veranlassung vor, indem an den fensterlosen Wänden 
gerade auf die Mitte der nach dem Hofe geöffneten Arcade die Console ange- 
bracht ist. Ausserdem scheint sie in der Jacobikirche der Neustadt zu Thorn 
und zwar in ganz gleicher Weise wie "in den Breslauer Kirchen, bei quadrater 
Pfeilerstellung und Doppelfenstern vor-zukommen, und endlich findet sich schon 
in Heisterbach (V. 354) eine ähnliche Wölbungsart. In allen anderen Fällen, 
wo solche Doppelfenster angewendet sind, hat man die Seitenschilfe entweder, 
wie in St. Stephan in Wien, mit vollständigen Sterngewölben oder, wie in 
Heilgenkreuz, mit einfachen Krenzgewölben unter Hinzufiigung einer fünften, 
zwischen den Fenstern aufsteigenden Rippe überwölbt.
        

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