Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964694
Die 
Länder 
des 
Ziegelbaues. 
329 
Es bleibt uns nämlich noch die Aufgabe, die weitgedehttten 
Gebiete des norddeutschen Ziegelbatresä) zu betrachten. Gerade 
hier war in dieser Epoche eine überaus rüstige Thätigkeit; es war 
frischer Boden und gerade die Zeit, wo man die härteste Arbeit 
der Colonisirung vollbracht hatte und an feinere Aufgaben denken 
konnte. Die 'l'echnik war bedeutend gefördert, man verstand, 
gothische Profile und Laubornamente in Formsteinen darzustellen, 
wusste aber auch ohne solche kostspielige und doch immer un- 
vollkommene Nachahmungen des Meissels durch einfachere Glie- 
derung, durch Blendarcaden oder farbige Ziegel befriedigende 
Wirkungen hervorzubringen Dennoch dürfen wir das freie 
künstlerische Leben der Steinarchitektur hier nicht erwarten. 
Nicht nur das Material, sondern auch die socialeix Verhältnisse, 
das rasche Auf blühen dieser Gegenden, die gleichzeitige Errich- 
tung so vieler Gebäude gleicher Bestimmung, an denen in an- 
deren Gegenden Jahrhunderte gearbeitet hatten, führten zu einer 
gewissen Monotonie. Es war eine Bevölkerung von Soldaten 
und Handelsletlten, die mehr für Grossrätlmigkeit und Zweck- 
mässigkeit, als für feine künstlerische Ausführung Sinn hatte. 
Daher erklärt sich, dass wir hier des Guten, an Ort und Stelle 
Befriedigenden vielleicht mehr, des Ausgezeichneten, geschicht- 
licher Erwähnung YVürdigen weniger finden, als in den Ländern 
des Steinbaues. An Verschiedenheit, namentlich der Plananla- 
gen, fehlt es freilich nicht; die Baumeister suchten dadurch dem 
spröden Stoffe Reiz zu verleihen. ln den meisten Gegenden finden 
sich neben den Hallenkirchen, die dem Material so sehr zusagten, 
auch Kirchen mit niedrigen Seitenschiffcn, und die Chorbildungen 
erschöpfen die ganze Mannigfaltigkeit von dem einfachen recht- 
eckigen Chorscbltisse bis nahe heran an den Reichthum des vollen 
Kapellenkranzes. Aber bei alledem ist die Behandlungsweise 
denn doch durch die Beschaffenheit des Stoffes so sehr bestimmt, 
dass die Verschiedenheiten untergeordnet erscheinen. Eine Folge 
sowohl des Materials als der socialen Verhältnisse war es, dass 
die Architektur hier einen mehr weltlichen Charakter annahm, 
als in den Ländern des Steinbatnes. Für den Ausdruck mysti- 
 Vergl. 
Mittelalter. 
im 
Allgemeinen Essenwein, Norddeutschlands Backsteinbau im
        

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