Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964689
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Deutsche 
Gothik. 
hundert hindurch, erhielt. Nicht blos der Dom zu Trient 
(1212-1309), den ich in architektonischer Beziehung zu Italien 
rechne, sondern auch die Stiftskirche zu lnichen, nördlicher an 
den Quellen der Dran, in hohem Alpenthale gelegen, an der 1257 
und 128-1 gebaut wurde, ist durchaus rundbogig und von roma- 
nischer Gliederung; selbst an dem Thurme, der Jahreszahlen von 
1321 bis 1326 trägt, sind die Schallößnungen rundbogig. Auch 
die Schlösser Tyrol, Zenoberg bei Meran, Bruueck, 'l'aufers, 
Bruck, alle nicht älter als 1250, haben kaum eine Spur des Spitz- 
bogens k). Aber überall, wo das deutsche Element siegte, zeigt 
es sich architektonisch in der dem italienischen Styl fremdesten 
Form der Hallenkirche; selbst in Botzen, wo die deutsche Sprache 
erst in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts die allgemeine 
wurde, und in MeranM) ist sie angewendet. Aber freilich ist 
die Mehrzahl dieser Kirchen in nüchternem spätgothischen Style, 
ohne künstlerischen VVerth, und selbst die meisten Kirchen zu 
Botzen, die der Franziscaner und die vormalige des Dominica- 
nerklosters, und endlich die grosse Pfarrkirche machen kaum eine 
Ausnahme. Diesetltätt) eine Hallenkirche, nur 47 Fuss unter Ge- 
wölbschluss hoch, ist die bedeutendste des ganzen Landes; das 
einfache Langhaus um 1340 vollendet, der Chor, gegen Ende 
des Jahrhunderts entstanden, mit hohem Umgange und reichen 
Maasswcrkfenstern, im Aeusseren mit Strebepfeileru, Balustrade 
und Fialen stattlich geschmückt.  
Finden wir hier deutsche Kunst bis an die italienische 
Gränze vorgerückt, so drang sie andererseits von Oesterreich 
aus nach Ungarn, Polen und selbst nach Siebenbürgen, wo sie 
von den vom Mutterlande getrennten Colonien mit Sehnsucht 
empfangen, freilich aber nur mit dürftigen Mitteln gepflegt wer- 
den konnte. Indessen wird es zweckmässiger sein, von diesen 
Nebenländern der Kunstgeschichte an späterer Stelle zu sprechen 
und dafür unsere Wanderung jetzt noch irveiter durch Deutsch- 
land fortzusetzen. 
"Ü Vergl. über die meisten nachfolgenden Angaben die Mitth. der k. k. 
GentraI-Comm. III, 225. 
w) Vergl. Karl Eggers im D. K. B1. 1858, S. 100. 
 Ansicht daselbst S. 97. Grundriss in den Mitth. d. k. k. C. C. II. S. 100.
        

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