Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964621
322 
Deutsche 
Gothik. 
prachtvollen alten Portale und mit zierlichen achteckigen Thürm- 
chen versehene Westseite sollte erhalten werden, ein ausgebil- 
deter Kreuzarm mit eigener Facade war nach den Verhältnissen 
des Planes nicht Wohl ausführbar. Dies führte den Begründer 
des Langhauses oder seinen Nachfolger Meister Wenzel, der bis 
1404 lebte, auf den Gedanken, die Kreuzgestalt dadurch herzu- 
stellen, dass er westlich vom Chore auf jeder Seite des Lang- 
hauses einen mächtigen Thurm anbaute, der zugleich unten als 
Vorhalle diente. Das gewährte dann eine erwünschte Gelegenheit, 
vielfache Zierden und reichen Statuenschmuck anzubringen, und 
die Thürme von St. Stephan, besonders der südwestliche, wel- 
cher bei WVenzePs Tode schon zwei Drittel der Höhe hatte und 
1433 vollendet wurde, haben dadurch grossen Ruhm erlangt, 
Allein eigentlich war auch dieser Gedanke kein glücklicher, denn 
das Alleinstehen des Thurmes ist grossentheils die Ursache 
seiner allzu abstracten pyramidalen Bildung, von der ich schon 
oben gesprochen habe. 
Ausser dem Dome ist von den Wiener Kirchen nur noch 
St. Maria am Gestade (Maria Stiegen) zu erwähnen. In- 
dessen stammen die beiden Theile, auf welchen ihr Ruf beruht, 
der Thurm mit seiner siebeneckigen durchbrochenen Kuppel und 
der kühn überhängende Baldachin des Portals, erst vom Ende 
des fünfzehnten Jahrhunderts. Der Chor, mit drei Seiten des 
Achteckes geschlossen, einschiflig, von grossen viertheiligen 
Maasswerkfenstern erhellt, alle Wandtheile in leichtes Stabwerk 
aufgelöst, mit Statuen geschmückt, von einfachen Kreuzgewölben 
gedeckt, durchweg reinen und zierlichen Styles, muss um die 
Mitte des vierzehnten Jahrhunderts vollendet gewesen sein, da 
die Glasgemälde 1340 bis 1365 gestiftet wurden. Das Langhaus 
ebenfalls einschiffig, mit einem überreichen und schweren Netz- 
gewölbe, wurde 1394 gegründet und um 1427 vollendet de). 
Ausserhalb der Hauptstadt sind im Erzherzogthum vorzüg- 
lich zwei Chorbauten und zwar an CiStercienserkirchen anzu- 
führen, beide sehr verschieden, aber doch dadurch verwandt, 
"Ü Abbildungen und Beschreibung in den Mittheilungen der k. k. Oentr. 
Commiss. I, 149, 174, nähere urkundliche Bestimmung der Datendaselbst II, 
10, 29. Vgl. oben S. 260 die Abbildung des Thurmes.
        

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