Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961568
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Einleitung. 
denerer Form und ohne verheerenden Kampf, in den Städten 
einen allgemeinen Einfluss. 
Freilich hing die ruhigere Entwickelung und höhere Blüthe 
des Städtewesens in Deutschland damit zusammen, dass jenes 
neue Ritterthum hier nicht gedieh. Den französischen Rittern 
erschienen ihre deutschen Standesgenossen in schlechtem Lichte; 
Froissard schildert sie als roh und schwerfällig, habsüchtig und 
unedel k), und unsere einheimischen Quellen gestatten uns nicht, 
diesem nachtheiligen Urtheile zu widersprechen. Trotz aller Be- 
strebungen Rudolplfs von Habsburg und später Karlls IV. blieb 
der Zustand im Wesentlichen derselbe, wie er sich in der un- 
glücklichen Zeit des Interregnums gebildet hatte. Der Mangel 
eines einheitlichen Regiments, die steten Fehden zwischen 
grossen und kleinen Machthabern gaben der Gewohnheit des 
Faustrechts immer neue Nahrung. Rohheit und Härte, Selbst- 
sucht und Ungerechtigkeit gehörten zum herrschenden Tone, 
Räubereien und Grausamkeiten Waren alltägliche Erscheinungen. 
Indessen stand nicht blos diese Verwiltlerung der französischen 
Bitterlichkeit entgegen; die Deutschen konnten sich für das 
Halbwahre, Conventionelle, was darin lag, nicht begeistern. 
Die Idee der Ritterlichkeit war in unserer Poesie tiefer erfasst, 
als bei irgend einer Nation, aber eben deshalb erschien sie auch 
nicht unbedingt anwendbar auf das Leben. Hier verband sie 
sich mit den Anforderungen christlicher Moral und wurde so zu 
-dem Begriffe jenes mehr schlichten und bürgerlichen Ritterthums 
ermässigt, als dessen Repräsentant Kaiser Rudolph von Habs- 
burg gelten kann, der mit seiner sprüchwörtlich gewordenen 
Rechtlichkeit. und in seinem grauen Wamms noch lange im Ge- 
dächtniss des Volkes lebte. Es ist wahr, dass bei dieser Auf- 
fassmig das ideelle Element leicht zu kurz kam, wie denn schon 
1') Froissard, L. I, Part. II, ch. 50: La coutume des Allemands ni 
leur courtoisie est mie belle; car ils n'0nt pitiä nl mercy de nuls gentils- 
hommes, s'ils ächdent entre leurs mains prlsonniers, mais les ränqonnent 
de toute leur finance et outre, et mettent en fers, en ceps et en plus 
Gtroites prisons qu'ils peuvent, pour estordre plus grand' ranqon.  
Noch deutlicher L. IV, ch. 62: Car Allemands de nature sont rnde et de 
gros engin, si ce n'est ä prendre ä leur profit, mais ä ca sont ils assez 
experts et habiles.
        

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