Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964584
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Deutsche 
Gothik. 
Zu dieser Neigung für schlanke und elegante Verhältnisse 
kam dann später auch die für reiche Sterngewölbe, von der ein 
noch erhaltener Vertrag vom Jahre 1407 zeugt, in Welchem ein 
Meister Johann, Sohn des Meisters Stauek, also böhmischen 
Ursprunges, bei Uebernahme der Wölbung des Chors in der 
Erzdechanteikirche zu Krumau ausdrücklich verpflichtet wird, 
das Gewölbe wie in der St. Eligiuskirche zu Milewsk (Mühl- 
hausen) bei Tabor auszuführen, was denn auch, wie die Gleich- 
heit beider reichen Gewölbe ergiebt, wirklich geschehen ist  
Uebrigens blieb jene Richtung auf schlanke Ober-schiffe nicht 
ohne Ausnahme. Iu eben jener Kirche zu Krumau hat das von 
demselben Meister vollendete Langhaus Hallenform, und an der 
schon wegen ihres Chores erwähnten sogenannten 'l'eynkirche 
(St. Maria Himmelfahrt] zu Prag, einer grossräumigen schönen 
Anlage, sind die Seitenschiffe nur wenig niedriger, so dass sie 
nur kleine Oberliehter gestattet haben. 
Die deutschen Provinzen des österreichischen Kaiser- 
staates haben bei grossen Verschiedenheiten des Klimas doch 
viel Gemeinsames, was zum Theil sich dadurch erklärt, dass 
ihre Bildung von gleichen kirchlichen Mittelpunkten ausging, 
Gemeinsam ist ihnen in architektonischer Beziehung, dass auch 
hier, im Gegensatze zu Böhmen, aber in Uebereinstimmung mit 
Schwaben, Kirchen dieser Epoche verhältnissmässig selten sind, 
während die der allerspätesten Gothik vorherrschender], und dass 
unter" ihnen alle grösseren die Ilallenform meistens in grosser 
Schönheit oder doch Originalität haben. Auf dies letzte Prädicat 
kann dann gewiss auch der vornehmste Bau dieser Gegend An- 
spruch machen, der St. Stephansdom zu Wien, der mit Ans- 
schluss des älteren westlichen Thurmbaues ganz dieser Epoche 
angehörtwii). Diesem Thurmban sind dann zunächst zwei Ka- 
Ü) Wocel in den angef. Mittheilungen III, 174.  
w) Vergl. die Berichte des Freiherrn v. Saeken, die goth. Baudenkmäler in 
den Kreisen unter und ob dem Wiener Walde, in den Mittheil. der k. k. C.- 
Comm..I, 103, und in dem Jahrbuchs II, 101. 
 Tschischka (der Stßtephansdom zu Wien, 1832, mit Abbild.) nimmt 
an, dass Herzog Rudolph IV. den im Jahre 1340 geweiheten Chor nach Voll- 
endung des Laughausee abbrechen lassen, und bezieht die Grundsteinlegung
        

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