Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964569
316 
Deutsche 
Gothik. 
ist dann die h. Geistkirche in Königingrätz, mit niedrigen Seiten- 
schiffen in Ziegeln gebaut, aber von edelstcr Ausführung. Aus- 
serhalb Böhmens mag hier die prachtvolle Klosterkirche auf dem 
Oybin in der Lausitz (1369  1387), jetzt bekanntlich nur eine 
höchst malerische Ruine, erwähnt werden, da sie von Karl ge- 
stiftet ist und in der Schlankheit ihrer einschiftigen Anlage den 
Charakter der böhmischen Bauten theilti-t). 
Auch die St. Barbarakirche zu Kuttenbergw), nächst dem 
St. Veitsdome der grossartigste gothische Bau in Böhmen, aber 
auch wie dieser unvollendet, gehört zum Theil, wenn auch nicht 
in die Zeit Karls IV., so doch in die seines Meisters Peter von 
Gmünd, da sie etwa 1384, wahrscheinlich von einem seiner Schü- 
ler, begonnen wurde und in den dieser ersten Bauzeit angehörigen 
'l'heilen Aehnlichkeiten mit dem Kolliner Chorbau trägt. Der 
Bau, dem dieser Meister eine zu grosse Ausdehnung gegeben, 
wurde langsam betrieben, und beim Ausbruche der Hussitenun- 
ruhen war der Chor noch ohne oberes Gewölbe, und das Lang- 
haus nur angefangen. Gänzlich unterbrochen, wurde er erst 1483 
fortgesetzt, hauptsächlich durch einen damals berühmten böhmi- 
schen Meister, den Baccalaureus Matthias Reiseck, und zwar, 
da inzwischen der Bergwerksreichthum der Stadt gewachsen 
war, mit neuer Erweiterung in der Art, dass die dreischiflige 
Anlage des Langhauses vermöge eines sehr dreisten Uebergan- 
ges in eine fünfschiffige verwandelt wurde. Dies gehört einer 
späteren Epoche an, doch auch der ursprüngliche Bau ist sehr 
prachtvoll, das Mittelschiff wieder von schlanksten Verhältnissen 
fast 100 Fuss hoch bei einer Breite von nur 34 Fuss, der Chor 
mit niedrigem Umgange und Kapellen, die aber nicht polygon- 
förmig vertreten, sondern nur den mächtigen Strebepfeilern ein- 
gebaut sind. Der innere Chorschluss ist fünfseitig aus dem 
Neuneck, der Kapellenkranz aber sechsseitig aus dem Zwölfeck, 
so dass auch hier wieder, ähnlich wie in Kollin, die Längenachse 
zuletzt auf einen Pfeiler stösst. 
Ü Puttrich, Abth. 1, Thl. II, S. 15, Taf. 5 und 11. 
w") Vurgl. besonders die mittelalterl. Kunstdexlkm. des österr. Kaiserstaates 
I. S. 171 H. Taf. 28-33, mit Text von Wocel, der sich auf Gruebers archi- 
tektonische Untersuchungen gründet.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.