Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961553
Ritterorden. 
Demokratische 
Regungen. 
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reich folgte schon 1351 mit dem Sternorden, dessen Devise 
(Monstrant regibus astra viam) mit einer Anspielung auf die 
drei Magier glückbedeutend für den König sein sollte; und die 
kleinen Fürsten, wie der Graf von Savoyen und ändere, blieben 
nicht zurück. 
Die Verbindung des Ritterthums und der Monarchie hatte 
einen tieferen politischen Grund in den demokratischen Ten- 
denzen, die sich überall regten. Die Ursachen dieser Erschei- 
nung sind mannigfaltig; der Wohlstand der Städte, das höhere 
Selbstgefühl der Laien überhaupt, antike Vorstellungen, welche 
aus der Schule ins Leben drangen, vielleicht auch Gedanken, 
welche, aus den Ketzereien früherer Jahrhunderte herstammend, 
jetzt vom religiösen Boden auf den politischen übergingen. Dazu 
kam der anstössige Uebermuth der Ritter, das Aergerniss der 
durch Reichthum üppig gewordenen Geistlichkeit, der steigende 
Luxus der höheren Stände neben der drückenden Arinuth der 
niederen Klassen. Demokratische Erhebungen zeigten sich daher 
im ganzen Abendlande. Von dem Bepublikanismus der italie- 
nischen Städte sprechen wir später; in den Niederlanden gaben 
die Fürsten selbst der Demokratie des Landvolks oder der Städte 
mehr oder weniger nach; in Frankreich wütheten die Bauern in 
einem planlosen Aufstande (1358), und Paris sandte schon jetzt 
die blau und rothe Mütze als ein Symbol der Befreiung in die 
Provinzen. In England fiel die Hauptstadt in die Gewalt der 
aufrührerischen Menge, und es fand sich ein Priester, welcher 
die Lehre von Freiheit und Gleichheit im communistischen Sinne 
predigte (1381). In beiden Ländern behielt die 'l'apferkeit der 
Ritter die Überhand; diese „grosse 'l'eufelei", von der Froissard 
den Untergang der edeln Sitte befürchtete  ging diesmal noch 
spurlos vorüber, und der Adel erhob sich stolzer als zuvor. 
Aber die Schweizer Bauern behaupteten ihre Freiheit im Kampfe 
gegen die wohlgerüstete österreichische Ritterschaft, und in 
Deutschland gewann das demokratische Element, in beschei- 
4') Livre II, eh. 187: Or regardez 1a grande diablerie que ce eut 
6t6 si le roi de France eut ötä däconfit en Flandre et la noble chevallerie 
qui äiait ßvßcques lui en ca voyage. On peut bien croire que toute gen- 
tillesse eut 6h? morte et perdue en France.
        

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