Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964349
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Deutsche 
Gothik. 
vertheilung und des decorativen Geschmacks finden sich in schön- 
ster Vereinigung an dem s. g. Nassaner Hause in der Nähe 
der Lorenzkirche, das in seiner einfachen, schlanken Gestalt mit 
den fast burgartig sparsam vertheilten Fenstern, dabei aber mit 
reichem Erker, mit Eckthiirmchen und verziertem Zinnenkranze 
den Gedanken des Patriciats einer mittelalterlichen Stadt, die V er- 
einigung des Bürgerlichen und Ritterlichen, so vortreflilich aus- 
spricht und durch seine schönen Verhältnisse jedes Auge auf sich 
zieht. Freilich konnte es dann aber nicht fehlen, dass diese deco- 
rative Neigung leicht ausartete, was schon bei der dieser Epoche 
angehörigen s. g. Brautpforte an der St.SebaldskircheäÜ mit 
ihren spitzenartig fein gearbeiteten, freischwebenden Zierbögen 
der Fall ist und später noch viel stärker hervor-trat. 
Ausserhalb Nürnbergs verdienen in Franken nur wenige 
Bauten der Erwähnung. Zuerst der Chor der oberen Pfarr- 
kirche zu Bamberg, 1327 vollendet, mit niedrigem polygon- 
förmigem Umgange, ohne Kapellen, deren Anlage die Oertlichkeit 
nicht gestattete w), im Aeussereil ziemlich reich decorirt, die Fen- 
sterbögen mit geschweiften Spitzen und Krappen, die Ecken mit 
verzierten Strebepfeilern und Fialen, die VVände mit Stabwerk. 
Charakteristisch für fränkische Auflassung ist, dass sich hier 
neben den üppigen Formen der späteren Gothik noch Bogenfriese 
erhalten haben. Dann die Jacobikirche zu Rothenbilrg an der 
Tauber, 1373- 1453, ein stattlicher Bau reichen gothischen 
Styls, mit niedrigen Seitenschilifeix und vollständigem Strebe- 
systemtkikii]. Endlich ein kleineres Gebäude von edlen Verhält- 
nissen, die Marienkapelle zu YVürzburg, zu welcher Bischof 
Gerhard von Schwarzburg im Jahre 1377 den Grundstein legte. 
Sie hat drei gleiche hohe Schiffe, schlanke achteckige Pfeiler mit 
Gewölbdiensten aber ohne Kapitäle, dreiseitigen Chor aus dem 
Achteck auf lilittelschiffbreite, sternförmiges Gewölbe, geschweif- 
tes Maasswerk, doch beides noch mässig. Die Strebepfeiler sind 
3') Abbildungen dieser beliebten und weltbekannten Monumente linden 
sich in den oben angeführten Werken und sonst häufig. Vergl. auch Dr. Fr. 
Meyer, die interessantesten Chörlein an Nürnbergs mittelalterlichen Gebäuden. 
i") Eine kleine Abbildung in Hellefs Taschenbuch von Bamberg 1831, 8.84. 
 Waagen, Künstler und Kunstw. in Deutschland, I, 320.
        

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