Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964323
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Deutsche 
Gothik. 
und dem darauf lastenden gewaltigen Dache. Um so präch- 
tiger ist die dem Markte zugewendete Facade ü). Zunächst 
ist in ihrer Mitte vor dem in das Innere führenden Portal eine 
viereckige, an den drei freien Seiten Portale bildende, durch- 
weg, auch an den Eckpfeilern aufs Reichste mit Statuen ge- 
schmückte Vorhalle angebracht, Welche oben vermittelst einer 
aus VVappen und durchbrochenem ltlaasswerk zusammenge- 
stellten Balustrade eine Altane bildet, von der herab die Kaiser- 
wahl verkündigt zu werden pflegte. Neben dieser Vorhalle 
bezeichnen schlanke viertheilige Maasswerkfenster die beiden 
Seitenschiße, darüber aber erhebt sich der gewaltige, dem hohen 
Dachraume entsprechende Giebel mit sechs treppenförmig abge- 
stuften Reihen spitzbogiger Arcaden. Von dem plastischen 
WVerthe der Statuen, den berühmten Werken Sebald Schonho- 
fers, werde ich später zu sprechen haben, und für die kleine drei- 
seitige, auf die Altane gestellte, Kapelle nebst dem von derselben 
aufsteigenden wunderlich gestalteten Giebel sind die ursprüng- 
lichen Meister nicht verantvsrortlichM). Aber auch wenn man 
sich diesen Zusatz aus der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahr- 
hunderts fortdenkt, ist die Anordnung des Ganzen keine glück- 
liche. Der breite Giebel, fast von gleicher Höhe mit der senk- 
rechten Mauer, also an sich schon lastend genug, erscheint durch 
die [Teberfüllung mit kleinen monotonen Arcaden und durch die 
Häufung der kleinliehen, auf jeder Seite sich neun Mal wieder- 
holenden Abstufungen noch schwerfälliger, und selbst an der V or- 
halle sind, trotz der vortrefflichen plastischen Ausführung, die 
Einzelheiten nicht immer zu loben. Namentlich ist die Bildung 
des Hauptportals mit den zwei über dem Mittelpfeiler sich öff- 
nenden Lancetbögen spröde und nüchtern, ohne die grössere 
Leichtigkeit, welche dadurch bezweckt wurde, zu erreichen. 
Sehr viel befriedigender ist der der alten St. S ebal d skirche 
in den Jahren 1361 bis 1371 angebaute, schon oben erwähnte, 
hallenartige Chor, obgleich auch an ihm sich die Spuren der 
i] Die Abbildung der Faoade bei Kallenbach Chronologie Taf. 55 ist 
gross, aber mit Aenderungen, und nicht sehr gelungen; eine kleine Ansicht 
im Nürnberger Taschenbuche 1829 und sonst häufig. 
"Ü Sie sind das Werk des Bildhauers Adam Kraft und v. J. 1462.
        

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