Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961531
Theatralische 
Sitten. 
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loben, mit ernsthafter Miene vorführPk), dürfen wir dies nicht 
ausschliesslich seiner ausschmückenden Phantasie zuschreiben. 
Es war wirklich der officielle Styl für solche Verhandlungen, 
eine conventionelle Unwahrheit, bei der jeder sogleich den 
Wahren Sinn verstand. Ja vielleicht War dieses Scheinwesen 
nicht ohne Nutzen; es knüpfte das Leben an höhere Ideen. Nicht 
viele Ritter blickten so tief, um Wahrheit und Dichtung zu un- 
terscheiden; sie begeisterten sich noch alles Ernstes für diese 
Bitterlichkeit, befolgten die Gesetze derselben im guten Glauben. 
Noch immer konnten ja viele dieser Helden, wie der grosse 
Bertrand du Guesclin, nicht lesen und schreiben. Und auch die 
Völker sahen darin im Ganzen noch volle Wahrheit und einen 
Gegenstand der Verehrung. Wirklich lernen wir in diesen rit-I 
terlichen Kreisen eine verhältnissmässig grosse Anzahl tapferer, 
edler, Wahrhaft ausgezeichneter Männer kennen. Eduard III. 
und der schwarze Prinz, Johann Chaudos und Walther von 
Manny; Carl von Bleis „le plus prudihomme du mcnde"; König 
Johann von Frankreich, dem man das WVort zuschreiben konnte, 
dass Treue und Glauben, wenn aus der Welt verbannt, im 
Munde der Könige bewahrt bleiben müssten; jener Bertrand du 
Gueselin, bei dessen Tode die ganze Nation Trauer anlegte. 
Aber freilich haben auch bei diesen Helden Tugend und Kraft 
immer etwas Conventionelles und Erkünsteltes; so hervorra- 
gende Gestalten wie die beiden Friedrich von Hohenstaufen, wie 
der heilige Ludwig lmd wie manche ähnliche Männer der vo- 
rigen Jahrhunderte suchen wir hier vergeblich. Es war nicht 
mehr der Boden für ächte Grösse.   
Auf das Einzelne dieses Ritterwesens, auf Turniere, Wap- 
pen, Courtoisie, darf ich nicht näher eingehen; nureiner charak- 
teristischen Erscheinung Will ich erwähnen, weil sich an ihr" 
recht augenscheinlich der Uebergang von den grossen religiösen 
Ideen der früheren Zeit zu moderner Sitte zeigt, nämlich der 
 So Livre l, oh. 14, wo er Johann von Hennegau die Wiederein- 
führung der flüchtigen Königin von England (si haute et perilleuse einprise) 
blos aus ritterliche: Püicht übernehmen lässt; car tous chevaliers doivent 
aider ä leur loyal pouvoir toutes dames et pucelles öechassees et decon- 
fortäes a. leur besoin. In Wahrheit ist es blos die Unternehmungslnst eines 
jüngeren Sohnes, der als Gondottiere für eine ehrgeizige Fürstin auftritt.
        

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