Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964292
Franken. 
289 
Schiffe mit der Ostwand des Kreuzschiffes rechtwinkelig enden. 
Die Ostseite hat also eine dreifache Abstufung und Wiederholte 
Polygonformen, die einen ziemlich befriedigenden Anblick ge- 
währen. Ueberhaupt ist das Aeussere durch die über dem Kaff- 
simse aufsteigenden hohen schlanken Fenster und die kräftigen 
in mehreren Absätzen verjüngten und zuletzt in Fialen endigenden 
Strebepfeiler sehr stattlich. Ungewöhnlich ist, dass über jedem 
Joche zwischen den Fialen am Fusse des Daches freistehende 
Giebel angebracht sind, die im Chore aus wechselndem, kühn 
durchbrochenem Maasswerke bestehen, im Langhanse treppen- 
förmig abgestuft sind und an den Kreuzseiten in gleicher Ge- 
stalt Weit über das Dach hinausreichen und durch eiserne Stan- 
gen gehalten sind. Eine Scheinfacade, die allerdings an städti- 
schen VVohnhäusern in Deutschland nicht selten vorkommt, aber 
der Würde eines monumentalen Baues nicht entspricht. Ueber- 
haupt sind diese Giebel, da sie nicht eine Bedeckung der Fenster 
darstellen, sondern von denselben unabhängig erst von dem Dach- 
gesimse aufsteigen, kein Dach hinter sich haben und nicht ein- 
mal durch eine fortlaufende Balustrade verbunden sind, ein 
zweekloser, etwas spiessbürgerlicher Putz. 
In Franken stieg N ürnbergßk), schon am Ende der vori- 
gen Epoche die bedeutendste Stadt dieser Gegend, immer höher 
und bildete zugleich immer mehr den Charakter aus, welcher es 
geWiSSermassen zu einem Prototyp deutschen Bürgerthllms 
machte. Emsiger Gewerbfleiss und vorsichtiger Handelsbetrieb 
erzeugten zugleich Reichthum, friedlichen Sinn und 'l'reue gegen 
das Reich  und diese den Kaisern angenehmen Eigenschaften 
wurden durch Privilegien belohnt, die wieder zu einer Machtver- 
mehrung dienten. Dieser natürliche Kreislauf zeigte sich beson- 
ders in diesem Jahrhundert sehr augenscheinlich. Heinrich VII. 
und Ludwig von Bayern hatten schon gern auf der Burg der treuen 
m) Vergl. v. Rettberg, Nürnberger Briefe 1846, und Derselbe, Nürnbergs 
Kunstleben, Stuttgart 1854, mit Abbildungen.  J. G. Wolfi's Nürnberger 
Gedenkbuch. Sammler für Kunst und Alterthum in Nürnberg.  Neues Ta- 
schenbuch von Nürnberg. Vieles auch in Heideloßs Ornamentik. 
VI. 19
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.