Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964183
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Deutsche 
Gothik. 
einen denkenden Meister verrathen. Er hatte die Aufgabe, auf 
einem beschränkten Raume, in der Mitte der damals dichtbevöl- 
kerten Stadt, etwas imposantes und Wirkuugsvolles zu geben, 
und daher den Mangel grossartiger Verhältnisse durch künstliche 
Anlagen zu verdecken. VVie dies 
  bei der sinnreichen Construction des 
g ÄEWU; '54 Chores durch seine elastische Er- 
 ß X  , weiterung geschehen, haben wir 
 F, i" y j  schon oben bemerkt; aber auch sonst 
H VSÄXWMJ [ÄQX   Ei war alles darauf berechnet. Das 
 Langhaus, von fast überschlanken 
H [l xxfl,  " ä Pfeilern getragen, unter Gewölb- 
ff      schluss 76 Fuss hoch, eine Höhe, 
  die fast der lichten Breite der drei 
 K  Yil-Xx Schiffe gleichkommt, von 41 Fuss 
 '_T  hohen, viertheiligen Fenstern be- 
  leuchtet, erscheint zwar trotz aller 
E?  dieser Erweiterungsmittel jetzt zu 
 kurz und stumpf; allein dies würde 
St- Maria u" wie" i" Sow- ganz anders sein, wenn der Plan 
 des Meisters vollständig zur Alls- 
führung gekommen wäre. Seine Kirche sollte nämlich auch 
durch zwei Thürme über die Häusermenge emporrageir, und 
diese Anforderung, welche den Raum des Langhauses zu ver- 
engen schien, wusste er vielmehr für seine Zwecke zu benutzen. 
Er liess nämlich die Thürme nur auf den Aussenmauern und auf 
einem mächtigen Pfeiler, als viertem Eckpunkte ruhen, und erschuf 
so unter ihnen in Verbindung mit dem Mittelbau eine Vorhalle, 
Welche nicht nur zur wirklichen Vergrösserung des Baumes 
diente, sondern besonders durch ihren Gegensatz das lichtere 
Langhaus bedeutend heben und der Perspective nach dem Chore 
zu einen vermehrten Reiz verleihen musste; eine Absicht, die da- 
durch bis jetzt vereitelt ist, dass diese unvollendet gebliebene 
Thurmhalle durch eine Wand vom Schiffe getrennt ist. Die De- 
tails verrathen, wie gesagt, schon die Spätzeit. Die Pfeiler sind 
ohne alle Kapitäle, ihre acht Dienste durchaus, auch in der Pro- 
filirung, nur die Fortsetzung der Gewölbrippen, die Fenster vier-
        

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