Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964173
XVestplxalen. 
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und Seitenschiffe in gleicher Höhe überwölben wollte, War 
man genöthigt gewesen, die Seitcngewvölbe bedeutend zu 
„StBlZBll", d. h. ihre Gewölbgurten über den Kapitälen senk- 
recht am Pfeilerstamme hinaufzufiihren und erst später zu eigent- 
licher Wölbung abzubiegen, was für die Ausführung schwierig 
und für die Wirkung ungünstig war. Allein ein radicales Mittel 
der Abhülfe fand man nicht sogleich, sondern begnügte sich 
anfangs durch mässige Erweiterung der Scitenschiffe und der 
Pfeilerabstände, dann durch Verwendung flachcrer Bögen im 
Mittelschiffe den Uebelstand zu mildern. So finden wir es mehr 
oder weniger theils wie an der Marien- und Martinskirche in 
Minden selbst in ziemlich roher Weise, theils wie an der Stifts- 
kirche zu Lemgo, der Paulskirche zu Soest und eildlich beson- 
ders an dem Langhause der Marienkirche zu Osnabrück mit fei- 
nerer Durchbildilng der Details. 
Zu dieser Gruppe von Ilallenkircheir mit schmaleren Seiten- 
schiffen gehört denn auch eine der elegantesten und berühmtesten 
Schöpfungen gothischer Kunst in VVestphalen, die s. g. VViesen- 
kirche, St. Maria zur VViese, in Soest. Eine Inschrift, freilich 
nur in Charactercn des fünfzehnten Jahrhunderts, nennt uns den 
Namen des Baumeisters, Johannes Schendeler, und dabei das 
Gründungsjahr, jedoch leider in so schwülstiger Dunkelheit, dass 
man bald 1343, bald 1314, endlich 1331 herausgedeutet hattit). 
Jedenfalls weiset der Styl der Details durchweg auf die zweite 
l-lälfte des Jahrhunderts hin und die 'l'hürme sind zufolge einer 
daran erhaltenen Inschrift erst 1439 begonnen. Luftig und leicht 
ist der Bau durchaus, mit Ansprüchen auf Eleganz und Bedeut- 
samkeit ausgeführt, und mit Eigenthümlichkeiten, die wenigstens 
 C ter X mille et tribus Ique dies tenet ille 
hujus quo primum struxit loculi 
capud ymum. Ne deus c(on)dempnes hunc Schendeler arte Johannes. 
Dass man mille ter centum zu lesen, ist ausser Frage; wie aber die wei- 
teren Zahlenbezeichnungen zehn, drei und eins in Verbindung zu bringen, ist 
zweifelhaft. Tappe liest, ich weiss nicht wie, 1343; Passavant (Kunstblatt 
1841, Nro. 101] 1314; Lübke, a. a. O. S. 263, zieht 1331 vor. Ich würde, 
wie Passavant, das decem nicht mit dem entfernten tribus verbinden, erhalte 
dann aber nicht 1314, sondern: Dreihundert, zehn, tausend nebst dreien Einern, 
mithin 1313. 

        

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