Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964121
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Deutsche 
Gothik. 
Mängel 1' Aber es ist rathsam, diese nicht zu vcrhehlen und uns 
so vor einer Verkennung der Gesetze der Kunst und der ge- 
schichtlichen Entwickelung zu wahren. 
Neben der mehr französischen Richtung des Domes machte 
sich aber auch in Köln selbst eine mehr deutsche Auffassung 
geltend. S0 namentlich der 1393 begonnene 'l'l1urm von St. Se- 
verin, dessen zwei Stockwerke mit hohen XVandnischen und 
mit einem gothischen Leistcnwerk verziert sind, das fast wie 
eine Uebersetzilng des romanischen Rundbogeltti-ieses erscheint, 
und der, obgleich schwerlich nach tirsprünglichem Plane voll- 
endet, dennoch in seiner Einfachheit imposant wirkt fit). Auch 
der Kreuzgang derselben Kirche ist ein zierlicher und eigenthüm- 
licher Bau dieser Epoche. Andere VVerke vom Ende (lerselbcn 
sind zuerst der Ratshhausthurm (1407-1417), kräftig in 
mehreren Geschossen, zuerst viereckig, dann achteckig aufstei- 
gend, einst auch, wie alte Stadtansichten ergeben, mit. pyrami- 
daler Spitze, dabei reich mit Stabwerk und Bildsäulen ge- 
schmückt, nicht ohne Schweifungen und ähnliche Spuren der 
Spätzeit, aber doch ritterlich und würdig; dann der Chor von 
St. Andreas, einschiftig in sieben Seiten des Zelmecks schlies- 
send, erst seit 1414 erbaut, mit hohen, schlanken Fenstern, fein- 
profilirten hochgeschtvungenen Gewölbdiensten ohne Kapitale, 
und reicher Ausbildung der Strebepfeiler, aber doch schon mit 
vielfachen Spuren mehr handtverkliclier, lebloser Behandlung. 
Zu den bedeutendsten Bauten der  Gegen- 
den gehört dann der hohe und lichte Chor, welchen der Bürger- 
meister Gerhard von Schellart, eben wegen dieses Baues Chorus 
genannt, vom Jahre 1353 an dem laarolingischen Münster zu 
Aachen anfügte. Er ist gewiss als ein WVerk der Kölner Hütte 
zu betrachten und von sehr schönen und reinen Formen, zeigt 
aber das um diese Zeit aufkommende, abergläubische Spiel mit 
Zahlen und Maassen. Während er nämlich einschifligjst und 
seine VVirkung wesentlich auf dem Gegensatze seines hellen und 
3] Kinkel im Kunstbl. 1846, S. 153 vermuthet, dass, da ein Herzog vor: 
Berg nachrichtlich diesen Thurm bauen lassen, er einen Meister aus den nörd- 
lichen, an Backstein und einfhclnere Formen gewöhnten niederrheinischen Ge- 
Vgenderl dazu gebraucht haben werde.
        

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