Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961513
Das 
Ilßllß 
Ritterthum. 
11 
darauf aufmerksam zu machen Man erlaubte sich vielmehr 
solche Grausamkeiten als Mittel zum Zweck; es War der Be- 
ginn einer zweideutigen Politik. Namentlich an den Fürsten 
wird daher eine gewaltsame, ungerechte Härte nicht getadelt, 
sondern lobend hervorgehoben Wg). 
Auch die weiche und sentimentale Freundlichkeit, welche 
man gern zur Schau trug, war nicht mehr der unwillkürliche 
Ausdruck des Wohlwollens, sondern eine angelernte Sitte, in 
deren Ausübung man sich gefiel. Froissard begleitet seinen 
Bericht von dem guten Empfange, den einer dieser Herren 
dem andern gewährt, stets mit der Bemerkung, dass er es 
wohl verstanden habe, Wohl dazu angeleitet und erzogen ge- 
wesen sei (car bien le savoit faire  bien etait nourri et en- 
duit ä ce faire). In vielen Fällen war die Anwendung der 
ritterlichen Formen eine couventionelle, beiden Theilen bekannte 
und also unschädliche Unwahrheit. So sendet, wenn zwei 
Heere sich einander nähern, stets der eine Feldherr dem an- 
dern eine Herausforderung und Ortsbestimmung, obgleich er 
vorher weiss, dass dieser sich darauf nicht einlassen kann und 
wird. Aber auch dieser kleidet die natürliche Antwort, dass 
er sich schlagen würde, wenn es ihm gut dünke, stets in eine 
neue Wendung ein irrt). Auch im Grossen gab man poli- 
tischen Hergängen gern einen theatralischen Charakter. Man 
schloss sich dabei freilich an das aus der Oetfentlichkeit der 
altgermanischen Gerichte und der christlichen Kirchenbusse 
entstandene Herkommen an, wonach politische Ereignisse durch 
einen öffentlichen, symbolisch bezeichnenden Akt, Friedens- 
schlüsse durch eine öffentliche Demüthigung des Besiegten 
festgestellt wurden. Allein in den früheren Jahrhunderten 
f) Est ist seine stehende Phrase: Et en furent moult couroucäs, mai; 
amender ne purent. 
4") Le prince (der schwarze Prinz] ätait grand et haut de courage et 
crnel an sou air, et vouloit, fut ä tort ou ä droit, que tons seigneurs 
aux qnels pouvoit commander tinssent de lui. Livre I, eh. 211.  Le 
comte de Foix de bonne memoire ätait moult cruel et nüipargnoit 
homme vivant puis qu'il Pavait courroucä. Livre IV. 
w") Je ne me combattrai mie ä Pordinaire de mes ennemis, mais ä 
1a volontä de mes amis, oder: quand bon nous semblem.
        

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