Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964087
268 
Deutsche 
Gothik. 
wenn sie nach dem durch besondere Gunst des Schicksals und 
durch Mollefs glückliche Entdeckung uns erhaltenen Entwürfe 
vollendet worden wäre. Von der Schönheit der 'l'hiirme habe ich 
schon gesprochen, und das Verdienst einer höchst durchdachten, 
consequenten, bei den kolossalsten Dimensionen und bei allem 
Reichthutn der Details klaren und übersichtlichen Anordnung 
wird dem Ganzen nicht abgesprochen, sondern gewiss erst recht 
anerkannt werden, wenn der kühne XVunsch vollständiger Aus- 
führung des grossartigen Planes in Erfüllung gehen sollte. Aber 
die gesteigerte Bewunderung, die man ihm als der höchsten un- 
übertrolfeiien Leistung des gothischeil Styles gezollt hat, möchte 
sich schwerlich erhalten. Ein reifes Erzeugniss dieses Styles ist 
er allerdings, aber ein vielleicht schon zu reifes, mehr aus be- 
wusster Consequenz als aus frischer, künstlerischer Anschauung 
hervorgegangenes. Es ist im WVesentlichen dieselbe Richtung, 
welche wir schon bei Erwin von Sleinbach Wahrgenonnnen 
haben, beide Meister haben die französische Anordnung im 
Auge, aber verhalten sich kritisch gegen dieselbe, Wollen das 
Verticalprincip gründlicher durchführen, die Inconseqnenzen ver- 
meiden und eine höhere Kunst geometrischer Zeichnung an den 
'l'ag legen. Nur geht der Kölner Meister darin noch viel weiter. 
Die Galerien und Statuenreihen, die jener bestehen lassen, hat er 
verworfen, Bildwerk nur an den Portalen, Weiter hinauf nur 
geometrische Formen zugelassen. Auch die Ifensterrose schien 
ihm eine zu kühne Abweichung von dem Principe, sie ist durch 
ein spitzbogiges Fenster ersetzt, das mit denen der Seitenschifle 
auf gleicher Grundlinie steht und so eine einfache Ordnung giebt. 
Ueberhaupt hat er die Nothwendigkeit horizontaler Theilungen 
keinesweges verkannt, aber sie sind doch möglichst leicht ge- 
halten, nur zu schwachen Begränztmgen, zu kurzen Ruhepunkten 
der aufsteigenden Bewegung geworden, die von unten beginnt 
und die ganze Fläche bis oben hin erfüllt. Mit dem Verticalis- 
mus hat es noch keiner so ernst genommen, wie er; die Poesie, 
deren dies Princip fähig ist, lag ihm vor Allem am Herzen. Der 
Gedanke des Thurms ist für ihn der leitende, die ganze Facarle 
ist auf diese letzte, kräftigste Erhebung berechnet. YVir sehen 
die treibende Kraft auf allen Stadien dieser Entwickelung; unten
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.