Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964077
Chorbau 
Zll 
Freiburg. 
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liche Abschluss durch eine rechtwinkelige Wand völlig fehlt. 
Diese unarchitektonische Wirkung erschien aber dem Architek- 
ten so sehr als eine pikante Neuerung, dass er auch den Kapellen 
selbst statt des (lreiseitigen einen zweiseitigen Schluss gab, so 
dass sie im Aeusseren mit einer Spitze, im Inneren mit einem 
WVinkel schliesseu und der in ihnen aufgestellte Altar eine son- 
derbare und unruhige Seitenbeleuchtung erhält. 
Ein anderer rheinischer Bau, auf den ich zurückkommen 
muss, ist die St. Katharinenkirche zu Oppenheim, von 
deren bis 1317 beendetem Chorbau wir früher gesprochen haben. 
Etwa um die Mitte desselben Jahrhunderts wurde ihr Langhaus 
erbaut, ein Werk von grosser Schönheit, im reifsten gothischen 
Style, dabei aber wieder mit eigenthümlichen Abweichungen von 
der französischen Behandlung desselben. Es ist nämlich drei- 
schiflig, mit niedrigen SeitenschiHen, deren Breite an sich dem 
Pfeilerabstande gleicht, aber dadurch erweitert ist, dass die Fen- 
ster (dieselben, deren prachtvolles lWIaasswerk bereits geschildert 
ist) auf Bögen und Säulchen ruhen, während ihre Brüstungs- 
mauern, bis an den äussersteil Rand der Strebepfeilcr hinausge- 
rückt, niedrigere kapellenartige Räume bilden, welche von je 
zwei Kreuzgewölben gedeckt und von je zwei kleinen Fenstern 
beleuchtet sind. Im Aeusseren k) sieht man daher drei überein- 
ander zurücktretende Stockwerke und dreifache Fensterreihen 
von steigender Pracht, die oberen noch von stolzen Spitzgiebeln 
bekrönt, alle die volle Breite swischen den Strebepfeilern füllend. 
Auch die wenigen übrigbleibendeu Wandecken sind mit blindem 
ltlaasswerk bedeckt und die Strebepfeiler mit Fialezi bekrönt, so 
dass sich Reicheres nicht denken lässt. Offenbar veranlasste 
diese erfreuliche Aufgabe den Meister auch, den Seitenfenstern, 
die etwas kurz gehalten werden mussten, um die Kapelle nicht 
zu sehr zu beschränken, jene ungewöhnliche strahlende Anord- 
nung zu geben, und man muss ihm zugestehen, dass er, wenn 
auch nicht gerade ein nachahmenswürdiges Vorbild, so doch 
eine überaus glänzende Erscheinung geschaffen hat. 
Das bedeutendste Werk rheinischer Kunst in dieser Epoche 
Wäre unleugbar die Facade des Kölner Domes geworden, 
t) Vergl. die Abbildung oben S. 230.
        

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