Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-964057
Der 
Dom 
ZU 
Strasburg. 
265 
Aufspriessens von unten an consequent verfolgt. Die Horizontal- 
linien sind zwar unverhüllt aber von massiger Ausladung, und 
die ganze Fagade ist mit Verticalstäben bedeckt, welche schon 
neben den Portalen anfangend sich (lurch leichtes Maasswerk 
den Gesimsen ansehliessen, dann als Gitterwerk von schlanker 
und überraschender Kühnheit vor den Mauern und ltlensteröff- 
nungen sich fortsetzen, und so das Auge beständig beschäftigen 
und allmälig und sanft nach oben hinleiten. Die Kritik mag diese 
Ausstattung eine verschwenderische nennen, an ihr die über- 
mässige Betonung des Verticalen, das Yortvalten des Decora- 
tiven über das Constructive rügen, aber man muss die Reinheit 
der Formen, die Consequenz in der Durchführung, den Geist und 
die technischen Kenntnisse des Meisters anerkennen, und wird 
sich dem bedeutenden Eindrucke des WVerkes nicht entziehen 
können. Nicht mit [lnrecht hat man getadelt, dass der ganze 
Vorbau Erwins auf eine zu grosse, den Verhältnissen der Kirche 
nicht entsprechende Höhe angelegt sei, indessen darf man auch 
nicht unerwähnt lassen, dass sein Plan, auch abgesehen von der 
Gestalt des 'l'hurn1helmes, nicht unverändert zur Ausführung ge- 
kommen ist. Nach seiner Absicht sollte nämlich der breite Unter- 
bau des 'l'hurmhauses nur aus zwei mächtigen Stockwerken be- 
stehen und darüber das Aufsteigen der beiden getrennten 'l'hürme 
beginnen. Seine Nachfolger haben aber, wahrscheinlich im Miss- 
trauen gegen seine statische Berechnung, diese beiden 'l'hürme 
in ihren unteren viereckigen Stockwerken durch einen Zwischen- 
bau verbunden, so dass nun allerdings dieser Vorbau eine Höhe 
und ltlassenhaftigkeit erreicht, gegen welche die Kirche klein 
erscheint. 
Von dem Freiburger Thurme, der in seinen bescheidenen 
Dimensionen das Glück zeitiger Vollendung hatte, haben wir schon 
gesprochen; (lagegen ist noch der Chor dieses Münsters zu er- 
wähnen. Seine Geschichte ist einigermassen (lunkel; im Jahre 
1354 wurde nach einer noch vorhandenen Insehriftäj der Grund- 
stein dazu gelegt, auch betrieb der Rath der Stadt den Bau so 
ernsthaft, dass er in einem noch erhaltenen Vertrage den Meister 
Johannes von Gemünd als Werkmeister „des neuen Chores" 
Ü Dr. Schreiber, das Münster zu Freiburg im Breisgau, 1829.
        

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