Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963985
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Deutsche 
Gothik. 
Alle diese Thürme haben mit dem Freiburger sowohl die 
klare Sonderung der einzelnen Theile, als die pyramidalische Ge- 
stalt des Helmes gemein. Unter den anderen, welche davon ab- 
weichen, mögen die beiden berühmtesten voranstehen, der am 
Stephansdome zu Wien und der am Strasburger Münster, 
weil sie sich in entgegengesetzter Richtung davon entfernen. Der 
Wiener Meister, welcher den 1433 und zwar irvahrscheinlich ganz 
trach dem ursprünglichen Plane vollendeten südlichen Thurm etwa 
um 1370 gründete, hatte den Pyramidalgedanken, das leichte Em- 
porführen von unten auf, besonders ins Auge gefasst. Daher 
lässt er die gewaltigen Eckpfeiler schon sehr frühe in Fialen auf- 
schiesseil, sehr mässig sich verjüngen und diese Arbeit so an- 
haltend und so ruhig fortsetzen, dass sich kein bemerkbarer Ab- 
satz bildet und der Umriss des Ganzen im allgemeinen. [Teberblick 
eine einzige steile Pyramide darstellt, an der man nur bei weiterer 
Prüfung die schwachen Abstufungen der einzelnen 'l'heile wahr- 
nimmt. Die Nachfolger Erwins von Steinbach dagegen, die von 
seinem Tode 1318 bis 1439 den 'l'hurn1bau des Strasburger 
Münsters fortset-zten, gefielen sich gerade in stärkster Betonung 
und Vervielfältigung horizontaler Absätze. Schon die obersten 
viereckigen Stockwerke der beiden Thürme, die nach Erwins Plan 
sich frei über der Kirche erheben sollten, haben sie verbunden und 
dadurch eine grosse Plattform erhalten, auf welcher das darauf 
folgende hohe und. schlanke achteckige Glockenhatts ohne or- 
ganische Verbindung mit den unteren Theilen steht. Dies Glocken- 
haus selbst ist nun zwar an sich schön und luftig gehalten und 
die vier 'l'reppenthürmchett, Welche als leichte Streben an den vier 
schrägen Seiten des Achteckes in durchsichtiger Spirallinie auf- 
steigen, sollten ohne Zweifel nicht, wie sie sich jetzt zeigen, am 
alters in Schwaben; über Meissen Schwechteßs bekanntes Werk und Puttrich 
Abth. I, Bd.II, über Strassengel die Mittheilungen der k. k. Central-Commission, 
Jahr-g. III, Mai und Juni, von Thann eine Ahbildung in Chapuy moy. age pitt. 
Nro. G3. Der Aufriss von Köln ist bekanntlich von Moller zuerst publicirt 
und nebst dem von: Ulm in KallenbacHs Chronologie. Taf. 50 und 70 in be- 
quemer Grösse gegeben. Eine nähere Vergleichung dieser und anderer Thürme 
würde hier zu weit führen; einige Beiträge dazu giebt Kallenbach in dem als 
"Text zu seiner Chronologie gedruckten Hefte: Die Baukunst des deutschen 
Mittelalters (München 1847), S. G9. 
        

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