Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963952
Der 
Thurmbau. 
g- 
a5 
dieser erste Versuch so sehr des Beifalls der Bauhütten, dass er 
den meisten Anlagen der Art zum Vorbilde diente. So War es 
selbst bei den beiden riesigsten Thurmbauten, die Deutschland 
schmücken sollten und die wir nur in den glücklich erhaltenen 
alten Planzeichnungen besitzen, am Kölner Dom und am Ulmer 
Münster. Besonders bei jenem zeigt der berühmte Plant), dass 
der Meister von denselben Grundsätzen ausging. Sind am Frei- 
burger Thurme die oberen Theile mit Rechnung auf die Ver- 
kürzung dem Unterbau fast gleiehgehalten, so überragt hier, WO 
das Ganze viel höher und also die Verkürzung viel stärker wer- 
den sollte, jeder obere Theil den unteren. Hat der ältere Meister 
das Maass des Schmuekes nach oben zu gesteigert, so hat der 
jüngere dies in viel höherem Grade thun müssen, da er nicht mit 
einem einfachen 'I'hurme, sondern mit einer schon des Schmuckes 
bedürfenden Faeade begann. Der Aufriss des Kölner Domes mag 
etwa 1350, also kaum ein Menschenalter nach der Vollendung 
des Freiburger Thurmes, gezeichnet sein, Wo die 'l'radition noch 
eine ungebrochene War. Aber auch der des Ulmer Münsters, 
der vielleicht hundert Jahre später entstand, zeigt Wenigstens noch 
im VVesentlichen dasselbe System, und ebenso finden wir es un- 
ter den wirklich zur Ausführung gekommenen und erhaltenen 
'l'hürmen, die freilich alle von viel geringerer Dimension sind, 
vorherrschend. 
Der schönste unter ihnen, geographisch ziemlich nahe bei 
Freiburg, der der Liebfrauenkirche zu Esslingen, 1406 bis 
1471 erbaut, weicht in den Verhältnissen in so Weit ab, als der 
Unterbau fast die halbe Höhe des Ganzen einnimmt, der mittlere 
Theil (lagegen viel kleiner ist als dort. Da der Unterbau nicht wie 
in Freiburg vom Boden auf freisteht, sondern von den Seiten- 
schiffen eingeschlossen ist und also erst von1 Dache an in kennt- 
licher Gestalt hervortritt, bezweckte die Verkleinerung des mitt- 
leren Stockwerks wahrscheinlich, dem Helme bei der mässigexi 
Höhe, die der Bau nicht überschreiten sollte 230 Fuss), grössere 
Bedeutung zu geben. Auch an dem durchbroelienen 'l'hurme des 
Doms zu Meisseu, der gegen Ende des vierzehnten Jahrhun- 
derts vollendet sein wrird, ist das Achteck niedrig und überdies 
b) Eine Abbildung der Faeade nach Boisseree weiter unten.
        

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