Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963934
Der 
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Rigorismus, welcher mit einem Vorurtheile auf diese reichge- 
schmückte Form herantritt, wird dasselbe bei einer nicht geringen 
Zahl dieser deutschen Thürme vergessen, und die Schönheit der 
Verhältnisse und die Harmonie des Ganzen anerkennen. 
Wo die Erfindung des (iurchbrochenen Heimes, wenn man 
sie so nennen will, gemacht worden, ist nicht überliefert, zur 
Ausführung kam sie zuerst am Freiburger Münster, wo der 
Thurm um 1300 schon weit vorgerückt war und wahrscheinlich 
nicht lange (larauf vollendet wurde. Bei den Verhältnissen dieses 
Münsters zu dem Strasburger ist es nicht unwahrscheinlich, dass 
Erwin von Steinbach, welcher erst 1318 starb und dessen kühne 
Behandlung des lilaasssverks an der Strasburger Faoatie ihn für 
jene Erfindung wohl eignete, dabei mitwirkte, und diese Ver- 
muthung findet auch darin eine Bestätigung, dass einer der noch 
in Strasburg vorhandenen, nicht zur Ausführung gekommenen 
Risse bedeutende Aehnlichkeit mit dem Freiburger Thurme zeigt. 
Jedenfalls ist dieser, wie der früheste, so auch der schönste unter 
den ausgeführten Thürmen dieser Art in Deutschland. Nirgends 
sondern sich die drei 'l'l1eile so klar wie hier, nirgends ist ihre 
 Bedeutung so bestimmt ausgesprochen. Kräftig und einfach, aber 
doch mit dem herrlichsten Portale geschmückt, steigt der frei vor 
dem Langhause stehende Unterbau bis über den Dachtirst hinaus 
und trägt das hohe achteekige Gloekenhaus, _das unten reiches 
Nlaasswerk auf undurchsichtiger Mauer, oben aber weit geöffnete 
Schallfensler hat, und auch so den Gegensatz des festen Unter- 
baues und des luftigen Heimes in sich vermittelt, welcher dem- 
nächst ohne weiteren Absatz zwischen Fiaien und Spitzgiebein 
hoch emporschiesst, als ein luftiges Gerüst von acht pyramidalisch 
aufstrebenden Rippen, welche unten durch I-Iorizontalbänder und 
wechselndes Maasswverk verbunden, hoch oben den kurzen Weg 
bis zur Spitze allein und frei durchleuchtet fortsetzen. Auf der 
Zeichnung ist die allzugrosse Höhe der beiden oberen Theile, von 
denen jeder fast dem Unterbau gleichkommt, auffallend, in der 
VVirklichkeit indessen und von unten gesehen wirkt die Ver- 
kürzung so bedeutend, dass man kein Missverhältniss spürt. 
Ueberhaupt kann man Einzelnes tadeln, aber das Ganze wirkt 
dessenungeachtet bezaubernd und erhebend. Auch erfreute sich 

        

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