Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961497
Das 
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Ritterthum. 
Wetteifer zu entflammt-an, und das Volk für den Edelsinn seiner 
Vorkämpfer zu begeistern. Diese Kriege haben daher auch 
einen Geschichtschreiber gefunden, der, obgleich Biirgerssohn 
und Geistlicher, sich ganz in die Denkungsweise dieser ritter- 
lichen Kreise eingelebt hat, und uns das anmuthigste Bild ihres 
inneren Lebens gewährt. Ich spreche natürlich von Froissard. 
Mag er im Einzelnen ungenau sein und die nüchterne Wahr- 
heit verschönern, im Allgemeinen ist die Richtigkeit seiner 
Schilderungen ausser Zweifel, und jedenfalls schreibt er so 
sehr im Geiste seiner ritterlichen Gönner, dass er vollkommen 
zeigt, was sie Wollten. Nicht leicht hat ein Chronist einen 
anziehenderen Gegenstand gehabt, als er. Nicht blos der Muth 
und die kriegerische Kraft dieser Helden, sondern auch ihr 
Edelmuth, ihre Hochherzigkeit und Uneigennützigkeit sind noch 
immer bewundernsiverth. Treue des Wortes, Beharrlichkeit 
in der erkannten Pflicht, Anerkennung des Guten im Feinde, 
edle Freigebigkeit; dann wieder Seelenruhe und Würde im. 
Unglück, ltlässigilng im Siege, freundliche Sitte und Dienst- 
fertigkeit, alle diese schönen Züge sind hier cinheimisch. Die 
zarte Sorge, dem Gefangenen sein Schicksal zu erleichtern, 
ihn durch Ehrenbezeugungen zu trösten, ist niemals weiter 
getrieben. Die Formen des Umgangs sind gefällig, dem Mäch- 
tigen gegenüber männlich und frei, gegen die Damen fein, 
wenn auch zu preciös, gegen Untergebene ritterlichen Standes 
wohlwollend, ohne gesuchte Herablassung, mit einem Aus- 
druck von Zutraulichkeit und Gemüthlichkeit  bei Gleichheit 
des Ranges leicht, heiter und offen. Die Gespräche, welche 
nach Froissardis Bericht an Festtafeln, auf freiem Felde, von 
den Mauern der Städte und Burgen herab, geführt sind, erin- 
4') Eduard III., von einem Angriff auf Calais, den die französischen 
Ritter beabsichtigen, unterrichtet, kommt heimlich von England herüber, 
mischt sich in den Kampf, und nimmt persönlich den Tapfersten der 
Gegner, Enstache vonyRibanmont, gefangen. Nach der Mahlzeit, welche 
Sieger und Besiegte in der Festung halten, geht er auf Eustache zu, setzt 
ihm sein mit Perlen besetztes Barett (chapelet) auf das Haupt und sagt: 
Je sais bien que vous ätes gai et amoureux et que volontiers vons vous 
t-rouvez entre dames et damoiselles, si dites partout ou voue irez que je 
le vous ai donne. (L. I, ch. 327-329.] 

        

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