Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963906
250 
Deutsche 
Gothik. 
und sie tragen mehr oder weniger in den Details die Spuren des 
Verfalls, aber die Anlage und der Grundgedanke gehören dieser 
Epoche an und zu ihren bedeutendsten Leistungen. 
Vergleichen wir zuerst, um mit dem Aeusserlichsten zu be- 
ginnen, die Höhenmaasse, so unterliegt es keinem Zweifel, dass 
Deutschland mit Einschluss der in dieser Beziehung hierher ge- 
hörigen, oben besprochenen Niederlande alle anderen Länder über- 
trifft. Die Thürme von Strasburgit), Antwerpen, Wien, Lands- 
hut und der Marienkirche zu Lübeck erheben sich weit über 400 
Fuss (452, 444, 435, 421, 431); die von St. Andreas in Braun- 
schweig und St. Elisabeth in Breslau kamen, ehe sie von Un- 
fällen zerstört wurden, diesen Maassen sehr nahe, ebenso noch 
jetzt der freilich nicht schöne Centralthurm des Mainzer Domes 
(390) und der schönste aller unserer Thürme, der von Freiburg 
(385). Die Thürme des Frauenmünsters zu München, des 
Domes zu Magdeburg, der Ansgarikirche zu Bremen und des 
Domes zu Utrecht gehen mehr oder weniger über 320 Fuss 
hinaus. Die Thürme von Ulm und Köln endlich sollten nach den 
vorhandenen Rissen bis auf ungefähr 475 Fuss steigen und die 
gewaltigen Thurmanlagen von Mecheln und Löwen beabsichtig- 
ten eine noch grössere Höhe. In England dagegen erreicht selbst 
der höchste der mit einem Helme gekrönten Thürme, der von 
Salisbury, noch nicht die Höhe von 400 Fuss unseres Maas- 
ses w), und schon die ihm nächst hohen, N orwich und Lichiield 
(304 und 244] fallen gewaltig ab. Es ist wahr, dass unter den 
übrigen, helmlosen Thürmen einige durch ihre gewaltige Masse 
imponiren, aber abgesehen davon, dass diese YVirkung denn 
doch die eines zum Abschluss geführten Thurmes nicht ersetzen 
kann, erreichen die höchsten dieser Thürme, der mittlere der 
a) Es versteht sich, dass Strasburg eben sowohl wie Metz in dieser 
Epoche nur zu Deutschland, nicht zu Frankreich gerechnet werden darf. 
M) Ich habe der Vergleichung halber das englische Maass, nach welchem 
die drei genannten Thürme auf 404, 313 und 252 Fuss angegeben werden, 
auf rheinländisches reducirt. Die Messung der Thurmhöhen ist bekanntlich 
schwierig und giebt oft sehr abweichende Resultate; ich bin dabei den mir 
möglichst zuverlässig scheinenden Angaben gefolgt, so dass, wenn auch nicht 
jede einzelne Zahl, doch das Verhältniss der verschiedenen Bauten zu einander 
im Ganzen richtig angegeben sein wird.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.