Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963893
Der 
T h u r m b au. 
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die Meister jener Kathedralen auf den ikolossalen Unterbau setzen 
wollten, wissen wir nicht. Und ebenso und noch schlimmer er- 
ging es den meisten anderen grössereil Kirchen Frankreichs; 
diese Aufgabe, als die letzte des ganzen Baugeschäftes Iiel gerade 
in die obengeschilderte Zeit der Erschlaffung. Die 'l'hurmbauten 
blieben daher, einige Wenige ausgenommen, die im sechszehnten 
Jahrhundert, in der letzten Stunde der absterbenden Gothik, ihre 
Spitze erhielten, in dem Zustande wie sie gerade damals bei der 
Unterbrechung des Baues waren. In England War, wie wir ge- 
sehen haben, der Eifer für 'l'hurmbauten erst in dieser Epoche 
erwacht und erlosch auch mit ihr, nur dass die englische Ord- 
nungsliebe aus der N 0th eine Tugend machte, und den Thurm, 
statt ihm die Spuren des Unvollendeten zu lassen, mit einer Ba- 
lustrade und Ecklialen krönte, was, da es dem Systeme des Per- 
pendicularstyls zusagte, demnächst auch bei neuangelegten Thür- 
men gleich von Anfang an beabsichtigt wurde. 
Anders die Deutschen; ihre Begeisterung für den gothischen 
Styl wurde erst da recht warm und allgemein, als der Bau in das 
Stadium des Thurmbaues kam. Freilich waren auch bei uns die 
Plane zu kühn angelegt; die Zahl der angefangenen 'l'hürme 
übersteigt auch hier die der vollendeten, ja die Sclnvesterthürme 
der Faeade sind bei keinem grösseren Bau ganz zu Stande ge- 
kommen. Aber dennoch ist sehen die Zahl, ich will nicht ent- 
scheiden ob der Thürme überhaupt (denn in einigen Gegenden 
Frankreichs, in der Normandie und in den westlichen Provinzen 
scheinen einfache, aber zierliche Thurmhehne sehr häufig), Wohl 
aber die der reichen, ausgezeichneten Thürme in Deutschland 
unbedingt grösser als in irgend einem anderen Lande. Man 
braucht nur an die 'l'hurmriesen von Strasburg, VVien, Landshut, 
Freiburg, an Meissen, Esslingeil, 'l'hann im Elsass, Strassengel 
in Steiermark, an die Dome von Frankfurt am Main, Basel, 
Magdeburg, an St. Andreas zu Braunschweig, St. Lambertus zu 
Münster, die Stiftskirche zu Aschaffenburg bis herab zu der 
Liebfrauen-Kapelle zu Würzburg und dem 'l"hürmchen im Klo- 
ster Bebenhauscn zu erinnern, um ein Bild unseres Rcichthums 
zu geben. Die Vollendung fällt allerdings bei den meisten dieser 
'l'hürme erst in das fünfzehnte oder scehszehnte Jahrhundert, 

        

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