Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963879
Der 
Thurmbau. 
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tindet, oder wenn dies nicht genügte und man den Zweck der 
Umschau oder der Vertheitligung damit verbinden wollte, ein 
einfacher, gerade geschlossener 'l'hurm, wie die italienischen, 
ausgereicht haben. Allein dabei blieb man in unseren Ländern 
nicht stehen. Der Thurm wurde vorzugsweise in seiner sym- 
bolischen Bedeutsamkeit aufgefasst; er sollte recht eigentlich 
über das Nützliche hinausgehen, zeigen, dass Gottes Ehre in 
dieser Gemeinde mehr gälte als blosser Nutzen. S0 stand es 
schon in der romanischen Epoche und schon damals linden wir 
dies Gefühl nirgends so lebendig wie in Deutschland; in keinem 
anderen Lande sind die mit zahlreichen, sinnvoll geordneten 
Thurmgruppen gezierten Kirchen so häufig wie bei uns. Eine 
Steigerung, aber auch eine andere Richtung, erhielt dies Gefühl 
in der Gothik, denn da hier derselbe symbolische Gedanke das 
ganze Gebäude durchdrang, alle Höhenmaasse steigerte, auf allen 
Punkten gipfelte, musste der Thnrm noch viel mächtiger hinauf- 
streben. Die Gruppirnng in romanischer Weise war hierbei ent- 
behrlich, dagegen War die Gestaltung des 'l'hurmes sehr viel 
wichtiger, damit er als die ausgezeichneteste Erscheinung des 
ganzen Gebäudes jenes Lehensprincip desselben recht kräftig 
ausspreche. Dies lag so sehr im System der Gothik, dass der 
Thurmgedanke eigentlich mit demselben lieranwuchs und daher 
in Frankreich, dein Entstehungslandc dieses Systems, schon 
frühe in seinen wesentlichen Erfordernissen verstanden war. Es 
ist der Gedanke einer allmäligen Verjüngung, welche anfangs 
kaum bemerkbar, weiter hinauf mit wachsender Beschleunigung 
zunimmt und am Fusse des Helms so weit gesteigert ist, dass 
sie zur directen Zuspitzung werden kann. Eine weitere Folge- 
rung daraus ist dann, dass der Gegensatz zwischen dem senk- 
rechten viereckigen Unterbau und dem pyramidalen achteckigen 
Helm durch ein zwar senkrechtes aber schon achteckiges Stock- 
werk vermittelt und jeder dieser drei Theile nicht nackt dem 
anderen aufgesetzt werde, sondern aus ihm herauswachse, so 
dass der Anfang des achteckigen Stockwerks- von den Fialen 
der vier Ecken des Unterbaues, und der Anfang der Pyramide 
des Helms von den Giebeln oder sonstigen Abschlüssen des 
senkrechten Achtecks begleitet ist. So weit war man in Frank-
        

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