Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963848
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Deutsche 
Gothik. 
Georg zu Dinkelsbühl, die Stadtkirche zu Zerbstga) nennen; be- 
sonders häufig ist diese Chorform in der Mark Brandenburg. Bei 
der Anlage des Kapellenkranzes bildete man gewöhnlich die von 
den Kapellen durchbrochenen Seiten des Umganges denen des 
inneren Schlusses gleich und concentrisch, meistens mit fünf 
Seiten des Zehnecksöiä). Bei dem hallenartigen Umgange wäre 
diese Pfcilerstellung für den inneren Schluss zu enge gewesen; 
man wählte daher für ihn gewöhnlich drei Seiten des Sechs- oder 
Achteckes , für den äussereu aber, theils um die Gewölbe besser 
zu stützen, theils um die Wände zu brechen und das Aeussere 
belebter zu machen, ein vielseitigeres Polygon. Er hat z. B. an 
St. Godehard und St. Katharina in Brandenburg und an der Kirche 
in Amberg fünf, in Dinkelsbühl sogar (mit unschöner Verlegung 
eines Pfeilers in die Längenachse) sechs Seitenvdes Zwölfeckes, 
an den beiden Nürnberger Kirchen sieben theils des Sechszehm, 
theils des Vierzehneekes. In Zerbst steigt die Seitenzahl des Um- 
ganges auf neun, in Kuttenberg sogar auf fünfzehn, wobei denn 
die Polygonform fast in den Kreis übergeht. An der Francisca- 
nerkirche in Salzburg (freilich erst von 1470), WO der Architekt 
überhaupt nach der höchsten Steigerung des Luftigen und Leichten 
strebte, und in der Spitalkirche zu MeranMfF) steht am Schlusse 
sogar ein einzelner Pfeiler, der mit den beiden letzten der Reihe 
ein gleichseitiges Dreieck bildet, während die Aussenmauern fünf 
Seiten des Zehneckes darstellen. An der Frauenkirche zu Mün- 
chen stehen dagegen die beiden Schlusspfeiler zwar etwas näher 
wie die der ganzen Reihe, aber doch zu weit von einander um 
den Eindruck eines inneren Schlusses zu geben, so dass von einem 
Parallelismus mit den fünf Seiten des Zehneckes am äusseren 
Schlusse noch weniger die Rede sein kann. Nur an den west- 
phälischen Kirchen in Osnabrück, Unna, Lippstadt und dann wie- 
1'] Unna. bei Lübke Seite 271 und Taf. XIX.  Zerbst bei Puttrich I, 1, 
Taf. 2, 3, 5.  Dinkelsbühl und Amberg bei Wiebeking Taf. 51 und 61.  
Brandenburg bei Adler. Taf. XI und XVIII. 
H) Vergl. den Grundriss des Domes zu Antwerpen oben S. 152, oder 
den weiter unten folgenden des Domes zu Prag.  
 D. Kunstbl. 1858, S. 101. In dem durch Peter von Gmünd erbauten 
Ohore der Bartholomäuskirche zu Collin scheint dieselbe Anlage gewesen zu 
Sein. (Grueber in den Mittheil. d. k. k. Centr. Comm. I , 221.)
        

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