Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963806
240 
Deutsche 
Gothik. 
geringere Höhe der Kapellen, im Verhältniss zum Chor bringt 
feinere Veränderungen hervor, auf die ich hier nicht Weiter ein- 
gehen darf. Es ist bemerkenswerth, dass diese Form, deren 
frühestes, ausserdeutsches Beispiel die Kirche St. Yved in Braine 
gegeben hatte, in so weit entlegenen Gegenden im Westen und 
im Osten des damaligen deutschen Reiches aber immer vereinzelt 
vorkommt. 
WVährend in allen diesen Fällen der Chorralim selbst, gleich- 
viel 0b Nebenchöre vorhanden sind oder nicht, unmittelbar von 
den Aussenmauern begränzt ist, findet sich eine sehr grosse Zahl 
von Kirchen, bei denen er, wie in Frankreich, von freistehenden 
Pfeilern umstellt und also von einem Umgange begleitet ist; ja 
dies wird im Laufe dieser Epoche bei allen grösseren Kirchen das 
Gewöhnlichere. Allein nur selten und nur bei den prachtvollsten 
Anlagen, wie an den Domen zu Köln, Prag, Augsburg und am 
Münster zu Freiburg ist das französische System vollständig an- 
gewendet, in allen übrigen Fällen mit einer grösseren oder ge- 
ringeren Beschränkung. Nur bei einer kleinen Gruppe geo- 
graphisch verbundener Kirchen, die ich als Ausnahme nachher 
besprechen werde, ist diese Beschränkung so gering, dass dennoch 
Umgang und Kapellen vorhanden sind und diese einzeln und po- 
lygonförmig heraustreten. In der Regel besteht entweder nur ein 
blosser Umgang oder derselbe ist zwar von kleinen Kapellen be- 
gleitet, die aber nur zwischen den Strebepfeilern der Schluss_ 
mauern angebracht sind und nicht mit einem eigenen Polygon, 
sondern blos mit einer geraden Wand, mit einer Seite des grossen, 
durch den ganzen Umfang gezeichneten Polygones schliessen. 
Beides kommt sowohl mit hallenartiger Anlage des Chors, als 
bei der Herumführung niedriger SeitenschiEe vor; und zwar dies 
letzte an der schönen St. Barbarakirche zu Kuttenberg in Böhmen 
und an der Marienkirche zu Stralsund mit eingeschobenen kapel- 
lenartigen Räumen, am Münster zu Basel, an der Pfarrkirche zu 
Bamberg und an der Marienkirche zu Osnabrück ohne solcher). 
Es bleibt in einigen dieser Fälle zweifelhaft, ob nicht die Anle- 
Ü Mittelalterliche Kunstdenkm. des 
Kugler kl. Sehr. I, 749. Beschreibung 
Lübke Westphalen Taf. XIX. 
österr. Kaiserstaates I, Taf. 28 ff. 
der Münsterkirche zu Basel (1842).
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.