Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963766
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Deutsche 
Gothik. 
der Veränderung fähiges Bild darbieten wollte. Dazu mochten 
auch technische Gründe kommen. Die Uebertragung der gothi- 
sehen Wfölbung auf die Hallenkirche war denn doch nicht ohne 
Bedenken. Der bedeutende Gegendruck, den die Seitenschitfe 
und die Strebebögen gaben, fiel hier fort, und den nun viel höhe- 
ren Pfeilern wurde eine viel stärkere Last zugemuthet. Wir fin- 
den daher im Anfange noch mannigfache Versuche, von dem ge- 
wohnten System so viel wie möglich beizubehalten. Am Dome 
zu Minden liegen die Kapitäle sehr tief und in verschiedener 
Höhe, so dass die mächtigen Gewölbrippen sehr hoch ansteigen; 
im Dome zu Meissen hat der Meister sogar noch einen Ueberrest 
der Seitenwand beibehalten. Aber allmälig lernte man durch sorg- 
fältige Berechnung den Gefahren und Schwierigkeiten auswei- 
chen, so dass man die Kapitäle aller Dienste in gleicher Höhe an- 
bringen, die Pfeiler wirklich als einen gegliederten Körper dar- 
stellen und das Gewölbe etwas flacher halten konnte. Man be- 
merkte, dass dadurch die Beleuchtung des oberen Raumes beför- 
dert wurde und dass man an Arbeit und Kosten spare, ging da- 
her auf diesem Wege immer weiter und suchte die Pfeiler immer 
schlanker zu gestalten. Dies führte darauf hin, zwischen die Kreuz- 
gurten andere Rippen zu legen, um kleinere und minder lastende 
Kappen zu erhalten und den Druck der nun in Verbindung 
gebrachten Gewölbe besser auf die ohnehin stark gehaltenen 
Mauern zurückzuführen, wobei man dann obenein den heitern 
Anblick eines zierlichen Netzgewölbes gewann. Freilich musste 
dadurch der lebendige Organismus der aus den Pfeilern auf- 
wachsenden Wölbung leiden; man hörte auf, die ganze Last auf 
einige wenige Punkte hinzuleiten, fand es bequemer, die Zwi- 
schenrippen unmittelbar gegen die Mauern auslaufen zu lassen, 
sie an den Scheidbögen in Verbindung zu bringen, entlastete also 
die Pfeiler, war aber auch versucht, die ganze Aussenwand stär- 
ker zu halten und der Wölbung mehr und mehr den Charakter 
einer flachen Bedeckung zu geben, so dass man von den Eigen- 
thümlichkeiten des Kreuzgewölbes wenig übrig behielt. Indessen 
war das Gefühl für den kräftigen Aufschwung des ganzen archi- 
tektonischen Organismus noch zu lebendig und man hatte durch 
diese neuen Erfahrungen nur Mittel gefunden, neue Arten kühn-
        

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