Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963755
Sterngewölbe. 
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nicht durch Pfosten getheilte Oeffnungen wünschen mochte, um 
sich frei über die Brüstung hinüberlehnen zu können?) Allein 
dennoch ist die Wahl dieses Mittels sehr auffallend und lässt 
sich nur durch eine Vorliebe für den Halbkreisbogen erklären, 
in welcher man fast eine romanische Reminiscenz sehen möchte, 
und die mit der Schlankheit und Weichheit der gleichzeitigen 
englischen und französischen Formen. eigenthümlich contrastirt. 
Daher erklärt es sich denn auch, dass der Lancetbogen, der sich 
doch als bequemste Ueberspannung zweier Arcaden sehr empfahl, 
in Deutschland so selten vorkommt, selbst nicht in den Back- 
steinbauten, obgleich man hier schon anfing, zur Ersparung 
schwieriger Formsteine die Arcaden bis an den Einrahmungs- 
bogen hinaufzuführen, wobei der Lancetbogen ein sehr natür- 
liches Mittel der Gruppirung geboten hätte. Uebrigens nöthigte 
die grosse Höhe der Fenster in den Hallenkirchen unsere Archi- 
tekten häulig dazu, eine Verbindung der Stäbe, den englischen 
Transoms ähnlich, anzubringen, wie z. B. in der Wiesenkirche 
zu Soest. Indessen zeigt sich auch nicht die mindeste Spur eines 
Versuches, diese rechtwinkelige Anordnung auch auf das obere 
Maasswerk anzuwenden. 
Geht unsere Kunst bei dem Maasswerk fast in entgegenge- 
setzter Richtung wie die englische, so giebt es andere Punkte, 
WO beide sich nähern. Namentlich gehört hierher die Wölbung. 
In Frankreich blieb man bei dem einfachen Kreuzgewölbe; in 
Deutschland zeigt sich an kleineren Gebäuden schon im Anfange, 
an grösseren doch etwa um die Mitte des vierzehnten Jahrhun- 
derts die Vorliebe für Vermehrung der Gewölbrippen, nur da- 
durch von der englischen VVeise verschieden, dass die dort uner- 
lässliche Longitudinalrippe hier selten oder doch nur mit unter- 
geordneter Bedeutung vorkommt. Zum Theil hing diese neue 
Wölbungsart mit der I-Iallenform zusammen; in ihren weiten 
Räumen, wo aller näher gelegene Schmuck fortfiel und der Blick 
durch den Pfeiler sofort mit dem Gewölbe in Verbindung gesetzt 
wurde, war es natürlich, dass man dem Auge gern ein reicheres, 
Ü Indessen fand diese Form sofort an dem Glockenhause von St. 
rina ohne solchen Zweck Nachahmung. Kallenbach, Taf. 38. 
Katha-
        

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