Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963614
221 
Sechstes 
Kapitel. 
Weitere Ausbildlmg des gothischen 
Styles in Deutschland. 
Die politischen Zustände in Deutschland waren Wahrlich nicht 
viel günstiger, Wie die des französischen Reiches. Zwar hatten 
wir nicht feindliche Heere im Lande, aber auch nicht das selbst 
im Unglück erhebende Gefühl nationaler Einigkeit. Die Fehden 
der Fürsten mit dem Kaiser, der Ritter mit den Städten, die allge- 
meine Unsitte des Faustrechts und des Raubwesens verheerten 
das Land und störten das Gewerbe kaum weniger, als der grosse 
Krieg; und dabei war überall Zwiespalt im Inneren der Städte, 
ja selbst der Familien, eine Verwirrung der Begriffe und Ver- 
hältnisse, bei der nur der Leichtsinn unbekümmert bleiben konnte. 
Kamen dazu dann alle die Leiden, die Seuchen, die Ueberschwem- 
mungen, Erdbeben und wie sie sonst hiessen, welche Deutsch- 
land noch härter trafen als andere Länder, so könnte man glau- 
ben, dass der Muth zu künstlerischen Unternehmungen ganz 
gefehlt haben, dass der Zustand der Architektur ein noch viel 
schlechterer gewesen sein müsse, wie in Frankreich. Allein kei- 
nesweges, vielmehr finden wir ihn so günstig, dass die erste 
Islälfte des vierzehnten Jahrhunderts gradezu die Blüthezeit der 
deutschen Gothik wurde und auch dann nur eine sehr allmälige 
Abnahme eintrat. Man sieht daran, dass die Kunst weniger von 
den einzelnen, vorübergehenden Schicksalen der Völker abhängt, 
als man gewöhnlich glaubt, und dass sie, einmal angeregt, den 
Gesetzen ihrer inneren Entwickelung folgt. 
In dieser Beziehung waren aber Frankreich und Deutschland 
in sehr verschiedener Lage. Mochte die Kathedrale von Köln
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.