Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963599
Schlussbemerkung. 
219 
Wölbungen verzieht. In dem vorliegenden Falle ist zwar der 
Ausdruck von Weichheit dadurch verstärkt, dass die Wände des 
Kreuzganges noch die geschweiften Bögen und runden Linien 
des fliesserxden Maasswerks tragen; und also die Weichen Ele- 
mente beider Style vereinigen. Indessen ist dies mit einer Fri- 
sche des Gefühls und mit einer Grazie geschehen, welche den 
Tadel noch nicht aufkommen lässt. 
Und so können wir denn auch die Kritik dieses Styles der 
späteren Geschichte überlassen. Er war das Resultat langer 
angestrengter Thätigkeit. Der ursprünglich französischen G0- 
thik war nun das Gepräge des Fremdartigen genommen, sie war 
mit den Ansprüchen des brittischen Gefühls so verschmolzen, 
dass sie nun wirklich nationales Eigenthum war. Der Kampf 
war wie auf politischem, so auch auf architektonischem Gebiete 
siegreich ausgefochten, imd die Kunst durfte wohl eine Zeitlang 
auf ihren Lorbeeren ruhen. Scheint uns dieser Styl zu weichlich, 
so mögen wir bedenken, dass vielleicht gerade die Festigkeit 
und der Ernst des brittischen Charakters eine grössere Weich- 
heit der Kunst fordert und unschädlich macht. 
Eine auffallende 'l'hatsache, welche zur Kunst zwar nur 
in sehr äusserlicher Beziehung zu stehen scheint, aber doch viel- 
leicht auch auf den Charakter dieses Styles Einfluss hatte, mag 
noch zum Schlusse erwähnt werden. Es ist bekannt, dass die 
englische Freiheit sehr allmälig heranwuchs und lange Zeit noch 
Gewaltmaassregeln der Könige gestattete, welche man selbst 
damals in anderen Ländern nicht duldete. Eduard III. , dem die 
Bedürfnisse eines populär gewordenen Krieges eine Art dictato- 
rischer Befugniss gaben, ging darin sehr weit, und gerade auf 
dem Gebiete architektonischer Thätigkeit findet sich eine der 
schlagendsten Erscheinungen dieser Art. Nicht blos für den 
Krieg, sondern auch für seinc Prachtliebe verschaffte er sich die 
Dienste des Volkes mit Gewalt. Zum Bau des Schlosses zu 
Windsor und zu dem der Stephanskapelle zu Westminster wur- 
den von Zeit zu Zeit Arbeiter gepresst; bald aus gewissen be- 
stimmten Städten oder Grafschaften, bald aus dem ganzen Reiche. 
Den Aufsehern dieser Bauten war überlassen, die geeigneten 
Handwerker heraus zu finden, den Sherifs die Verpflichtung auf-
        

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