Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963559
Die 
Kathedrale 
VOH 
Winchester. 
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und ritterliche Elemente mit einer bürgerlichen Schlichtheit und 
nationalistischen Nüchternheit zu vereinigen, welche in allen an- 
deren Ländern dagegen in Opposition trat. Dieser Nationalität 
den richtigen architektonischen Ausdruck zu geben, auch hier die 
bisher widerstrebenden Elemente zu einer harmonischen Einheit 
zu gestalten, war gewiss eine eines eminenten Architekten und 
aller Begeisterung würdige Aufgabe. Entdecken wir dennoch in 
seinem Werke und in dem Style, als dessen Erstling es betrach- 
tet werden kann, etwas Verständiges und Eklektisches, so liegt 
es nicht an dem Künstler, sondern in seiner geistigen Aufgabe, 
und schliesst nicht aus, dass dieser Styl nicht blos für England, 
sondern überhaupt einen bleibenden Werth und eine für die Zu- 
kLuift der Architektur nicht unwichtige Bedeutung hat. Uebrigens 
War Wykeham ohne Zweifel nicht der ausschliessliche Ertinder 
dieses Styls; die ganze Richtung der Zeit arbeitete dahin. Aber 
er hat das Verdienst, ihn zuerst in seinem Zusammenhange als 
ein Ganzes verstanden und ausgeführt zu haben, während Einzel- 
heiten desselben in anderen gleichzeitigen und selbst früheren Ge- 
bäuden schon mit gleicher oder grösserer Bestimmtheit ausgebil- 
det erscheinen. 
Zu diesen Gebäuden gehört zunächst das Langhaus der 
Kathedrale von Canterbury, Welches schon 1378 begonnen 
und ohne Unterbrechung fortgeführt, und unter der Verwaltung 
eines von 1390 bis 1411 an der Spitze des Stiftes stehenden 
Priors, wahrscheinlich im Anfange dieser Zeit, vollendet wurde ü). 
Das Maasswerk der Oberlichter ist dem von Winchester auEal- 
lend gleich, das der Fenster der SeitenschiHe geht in der spe- 
cifisch perpendicularen Formbildung noch weiter. Die Bögen an 
Arcaden und Fenstern haben zwar noch nicht die flache Form wie 
dort, sondern sind gewöhnliche Spitzbögen weiter Oeffnung, aber 
dennoch in viereckiger Einrahmung und mit Ausfüllung der Ecke, 
nicht wie in Winchester durch Stabwerk , sondern, wie es von 
nun an vorherrschend wurde, durch einen Kreis. Die Seitenschiffe 
sind noch höher und die Pfeiler schlanker, ihre hoch aufsteigen- 
den Dienste in eigenthümlicher Reminiscenz aus früherer Zeit, die 
ß) Britton, Cath. Antiqu. V01. I. Winkles Vol. I, und besonders Willis, 
the architectural history of Canterbury Oathedral, London 1845.
        

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