Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961455
Verfall 
der 
gPOSSED 
Institutionen. 
Roms besuchten, einen ungewöhnlichen Ablass, und sofort 
strömten die Pilger aus allen Ländern herbei, die Strassen 
waren von ihnen bedeckt, Rom war zu eng sie aufzunehmen. 
Die Christenheit schien sich zu drängen, um ihre Unterwer- 
fung unter den heiligen Stuhl in feierlichster VVeise zu be- 
kunden. So fasste es der Papst auf. Ein Mann von Muth 
und Kraft, glaubte er sich berufen, die Lehre von der päpst- 
lichen Supremat-ie in vollster Consequenz durchzuführen; er 
schmückte sich mit den kaiserlichen Insignien und behandelte 
die mächtigsten Könige wie seine Diener. Dass diese Ueber- 
hebung sich an ihm rächte, War kaum überraschend; dass er 
bald darauf im Grame über eine rohe Misshandlung sterben 
musste, hätte als ein vereinzeltes, tragisches Ereigniss vor- 
übergehen können; das Mittelalter wusste die Person von der 
Sache zu scheiden. Allein es war kein vereinzeltes Ereigniss, 
es War das Zeichen innerer VVidersprüche und das Vorspiel 
der traurigsten Entartung. Der heilige Stuhl, durch unwür- 
dige, verbrecherische Verhandlungen von Rom, dem freien 
Sitze uralter Herrschaft, nach Avignon in die Nähe und unter 
den drückenden Schutz der französischen Könige verlegt, gab 
sogleich den Beweis seiner schmählichen Knechtschaft, indem 
er den Orden der Templer, den treuen Wächter heiliger Stätten, 
weltlicher Habsucht opferte. Dass diese Päpste dennoch den 
hierarchischen Begriff, namentlich dem Kaiserthume gegenüber, 
in äusserster Strenge festhielten, dass sie nicht anstanden, In- 
terdict und Bann oft durch lange Jahrzehente über ganze Länder 
zu verhängen, musste die Begriffe verwirren, zumal da man 
kaum verkennen konnte, dass diese geistlichen Waffen nicht 
für die Kirche, sondern im Interesse des französischen Königs 
geschwungen wurden da). Dazu kam dann die Ausbeutung 
aller kirchlichen Rechte für finanzielle Zwecke, die fast un- 
verhohlene Käuflichkeit aller Aemter, die steigende Sittenver- 
derbniss der Geistlichkeit durch alle Stufen der kirchlichen 
 Der Franciscaner Johann von Winterthur, obgleich kein Anhänger 
Kaiser Ludwigs, spricht in seiner gleichzeitigen Chronik wiederholt die 
Ansicht aus, dass der Papst auf Anstiften des französischen Königs handle. 
Joh. Vitodnrini Chronicon, heransgeg. von G. v. Wyss. Zürich 1856.
        

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