Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963451
Der 
Flachbogen. 
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spröde, liess sich jedenfalls auf die Arcaden im Inneren der Kir- 
chen nicht anwenden, und stellte überdies der Anwendung des 
perpendicularen Maasswerks Schwierigkeiten entgegen. Man 
war daher auf einen Mittelweg zwischen dieser flachen und jener 
noch immer zu steilen Form hingewiesen, und dieser lag in der 
That nicht fern. Der geschweifte Bogen, den man als Archivolte 
über Fenstern und Portalen schon kannte, der überdies in dem 
fliessenden Maasswerk als Wellenlinie so häufig angewendet 
war, bildet in der That in seinem Senken und Aufsteigen einen 
Uebergang zwischen dem Verticalen und Horizontalen. In der 
gewöhnlichen, auf dem Continent üblichen Behandlung, in seinem 
Anschluss an den steileren Spitzbogen und mit dem Aufschwunge 
zu einer Spitze war er zwar für jene Zwecke der englischen 
Architekten zu unruhig und ungeeignet; allein das liess sich leicht 
mildern und man hatte dann in dem flachen, aus verschiedenen 
Kreisstücken zusammengesetzten Bogen eine Form, welche sich 
sehr bequem in die rechtwinkelige Einrahmung fügte, jenem per- 
pendiculareil Maasswerk sehr zusagte, und da sie sich auch zur 
vollständigen Durchführung an den Arcadenreihen der Kirchen 
eignete, ein Mittel zur Auflösung der bisher empfundenen Disso- 
nanzen darbot. 
Dies sind die Elemente des Perpendicularstyles, welche 
etwa seit 1360 vereinzelt auftreten, bald aber mit der Entschie- 
denheit und Einigkeit, welche die brittische Nation auch sonst in 
Geschmacksachen zeigt, verbreitet und endlich um 1390 zu einem 
in sich zusammenhängenden Systeme verschmolzen werden. 
Wir sind sogar im Stande, was uns in der bisherigen Bauge- 
schichte noch nicht gegönnt war, den Mann zu bezeichnen und 
in seinem Lebensgange zu verfolgen, der bei dieser Arbeit die 
letzte Hand anlegte und dem Systeme das Gepräge der Vollen- 
dung aufdrückte. Es war Wilhelm aus Wykeham, einem 
Dorfe in Hampshire, in niedrigem Stande geboren. Als ein 
talentvoller Knabe durch seinen Gutsherrn, der Befehlshaber des 
Königs auf dem Schlosse zu Winchester war, in die dortige 
bischöfliche Schule gebracht, muss er früh seinen Beruf zum 
schon 1305 an den Chorschranken 
Willis, history of Oant. Cath. S. 97. 
der 
Kathedrale 
VOII 
Oanterbuxy. 
Vergl.
        

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