Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963440
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Englische 
Architektur. 
jener alten Neigung nachgab, indem man die Fenster statt mit 
dem Bogen mit zwei in einem stumpfen Winkel zusammenstos- 
senden geradlinigen Schenkeln deckte Daher wurde denn 
dies perpendiculare Maasswerk sofort sehr beliebt und nicht blos 
innerhalb der Fenster, sondern auch als Wandverzierung ange- 
wendet. Da man einmal an den Luxus der Ornamentation so ge- 
wöhnt war, dass man keine leere Stelle dulden konnte, war 
diese einfachere, strengere Form in der That der verwirrenden 
Unruhe wogender Linien vorzuziehen. 
Mit dieser Decoration contrastirte aber der Spitzbogen, den 
man bisher, wenn auch nicht gerade aus dem gleichseitigen 
Dreieck, sondern mit breiterer Spannung beibehalten hatte. Man 
war daher genöthigt, sich auch hier nach einer Modilication um- 
zusehen. Ueberhaupt kam die brittische Vorliebe für das Gerad- 
linige nicht blos der Verticale, sondern auch der Horizontale zu 
statten. Selbst die so mässige Durchführung der Verticale, 
welche im Münster zu York versucht war, blieb ohne Wieder- 
holung, und gerade in dieser Epoche, während auf dem Conti- 
nent ein einseitiger Verticalismus aufkam, gewann hier die Ho- 
rizontale an Wichtigkeit. Der häufigere Gebrauch der Balken- 
deoken und die ziniehmende Beschäftigung der Baumeister mit 
weltlichen Bauten mögen dazu beigetragen haben; aber haupt- 
sächlich war es denn doch eine Sache des Geschmackes, denn 
für das starke Betonen des Horizontalen in Triforien, Scheitel- 
rippen und sonst fehlte es an jedem äusseren Grunde. Durch 
jenes neue Fenstermaasswerk erhielt dieses Wohlgefallen an 
rechtwinkeligen Verbindungen eine Bestätigung, gegen welche 
nun aber der Spitzbogen in seiner bisherigen Form verstiess. In 
weltlichen Gebäuden und selbst an weniger bedeutsamen Stellen 
der Kirchen hatte man schon rechtwinkelige Bedeckungen ange- 
wendet, sowohl an Fenstern, welche man über den Pfosten mit 
einem Netz von Maasswerkverschlingungen füllte, als an Thüren, 
bei denen man denn in die rechtwinkelige Einrahmung Bögen 
einfügteßr). Allein diese Verbindung war denn doch eine allzu- 
4'] S0 in der Kathedrale von Hereford. Bütton, Cath. Ant. III, pl. 11, 12. 
m") Beispiele solcher Fenster bei Bloxam, Gothic Architecttne (London 
1843) S. 166, 167. Glossary 1T, pl. 158. Rechtwinkelig eingerahmte Thüren
        

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