Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963424
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Englische 
Architektur. 
setzte. Die Anlage solcher grossen Fenster wurde daher eine 
der Wichtigsten Aufgaben der Architekten und die Vergleichung 
der vielen noch erhaltenen Exemplare zeigt, wie sehr sie davon 
erfüllt, wie unermüdlich sie in neuen Erfindungen und Combina- 
tionen waren. Beides, das Constructive des inneren Steinga- 
rüstes und das Formenspiel des Maasswerks, beschäftigte sie in 
gleicher Weise, und wir haben schon gesehen, welche Mannig- 
faltigkeit der Formen daraus hervorging. Für die Unterstützung 
des Fensterbogens war durch die dichten Verschlingungen des 
fliessenden Maasswerkes schon hinlänglich gesorgt, allein bei 
der immer zunehmenden Vergrösserung der Fenster, wo die frei- 
stehenden Pfosten bis zum Anfange der inneren Arcaden oft eine 
Höhe von zwanzig bis dreissig Fuss erreichten, schien es nöthig, 
auch diesen, da man sie doch möglichst schlank halten wollte, 
eine Unterstützung zu geben. Wahrscheinlich war dies der 
Zweck, welchen der Baumeister der schon erwähnten Kirche zu 
Dorchester erreichen wollte, indem er sein Fenster als den Baum 
Jesse behandelte und so die Berechtigung erlangte, von dem 
mittleren Pfosten als Stamm des Baumes Zweige ausgehen zu 
lassen, welche die anderen Pfosten durchschnitten und so hori- 
zontale Verbindungen bildeten. Dies phantastische Spiel liess 
sich aber doch nicht leicht wiederholen und man musste sich auf 
directerem Wege helfen. Dies geschah dann entweder in der 
Weise, dass man etwa auf halber Höhe der Pfosten aus ihnen 
Maasswerkverschlingungen entwickelte, welche ein breites, 
durchsichtiges Band bildeten?) oder noch einfacher so, dass man 
ihre äussersten Rundstäbe zu Kleeblattbögen zusammentreten 
liess und darauf einen geraden Querbalken (transom) legtew). 
Diese letzte Form behielt als die solidere und leichtere den Vor- 
zug und wurde seit etwa 1360 neben dem bisherigen fliessenden 
Maasswerke angewendet. Dies war aber offenbar nicht harmo- 
nisch; die sehr ins Auge fallende rechtwinkelige Durchschnei- 
dung der Pfosten durch jenen Querbalken forderte auch stren- 
gere, wo möglich gerade Linien in dem oberen Maasswerke. 
Man war daher veranlasst die einzelnen Verticallinien, welche 
Britton, Cathedral Ant. V01. V, pl. 6, IV, pl. 13. 
Derselbe, Archit. Anüqu. V01. V, Windows nro. 18.
        

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