Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963416
Schlosskapelle 
VOll 
Westminster. 
201 
Stützen ein künstlich gebildetes, aufsteigendes Hängewerk, wel- 
ches schon an sich sehr malerisch wirkte und überdies durch 
Schnitzwerk, Malerei und Vergoldung auch den Zwecken der 
höchsten Pracht angepasst werden konnte. Dies geschah aller 
Wahrscheinlichkeit nach schon um die Mitte des Jahrhunderts 
und zwar an einem Gebäude ersten Ranges, nämlich an der St. 
Stephanskapelle im Schlosse von Westminster, deren noch 
vorhandene Rechnungen beweisen, dass König Eduard III. keine 
Kosten sparte, um sie durch die besten Künstler seiner Zeit in 
edelster und reichster Weise schmücken zu lassen. Leider können 
wir von diesem vielleicht glänzendsten Werke seiner Regierung 
nicht aus eigener Anschauung urtheilen; seit dem Jahre 1550 
zum Parlamentssaal dienend und dadurch in ihrem Inneren be- 
kleidet und entstellt, ist die Kapelle nach dem Brande des Jahres 
1834 völlig verschwunden, so dass wir nur Beschreibungen und 
Restaurationen von zweifelhafter Zuverlässigkeit besitzenß). 
Nur soviel steht fest, dass auch diese Schlosskapelle, wie die 
Sainte-Chapelle von Paris und viele andere, eine doppelte war; 
das untere Stockwerk von mässiger Höhe aber doch mit vier- 
theiligerx Fenstern war mit reichem Rippengewölbe versehen, 
dagegen das obere, der eigentliche Prachtbau, zwar hoch und 
überaus leicht, mit grossen Maasswerkfenstern und reichem 
Schmuck von Arcaden und Stabwerk, aber nur mit hölzerner 
Bedeckung, die wir nicht näher kennen, die aber wahrscheinlich 
von der eben beschriebenen Art war. Diese Decken mussten inso- 
fern einen Einfluss auf die weitere Entwickelung der Bauweise 
haben, als sie, wenn auch auf gekrümmten Streben ruhend, doch 
im Wesentlichen rechtwinkelige Verbindungen ergaben, mit 
denen die bisher vorherrschende Bogenlinie nicht harmonirte. 
Dazu kam denn ein anderer Umstand. Im Laufe dieser 
Epoche hatte sich die Vorliebe für kolossale Fenster zunächst an 
der Facade und der Schlusswand des Chores, dann aber auch an 
den Kreuzseiten so gesteigert, dass man überall die älteren klei- 
neren, etwa lancetförmigen Fenster durch kolossale, von reichem 
Maasswerk gefüllte, wenigstens siebentheilige Oetfnungen er- 
"Ü E. Wedlake Brayley and Britton, the hist. of the ancient palace etc. at 
Westminster. Fergusson Handbook II, p. 870. Wiebeking III, Taf. 91.
        

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